Sonntag, 8. Mai 2011

Couch # 8 | Zwei Könige und eine angepisste Queen

Hannovers König war unzufrieden mit sich und seiner Monarchie. Mickrig und klein schien ihm dieses Hannover im Vergleich zum prunkvollen britischen Königreich.

Hannover. Pah. Dummes Bauernvolk. Ein paar heruntergekommene Gärten. Ein versoffener Hofnarr und eine nörgelnde Ehefrau.

So kam es, dass der Unzufriedene sich kurz an seinem königlichen Kopf kratzte und was unterschrieb. Eine Fontäne solle nun in seine Herrenhäusergärten. Mit sechzehn Meter Spritzweite wäre sie die größte; Weltweit! Der König lachte; Seine Frau lachte; Der Hofnarr hysterisch. Der ganze Hofstaat lachte laut. Das änderte sich, als der lachende König das Englische Königshaus nach Hannover einlud.

Es sollten nur Geschäfte abgeschlossen werden; Ein paar Kleinere. Klar; In der Mittagspause könne man dann ja kurz einen Spaziergang durch die 40000 qm² Gartenanlage machen und – klar – vielleicht würde man zufällig an der neuen Fontäne vorbei kommen. Eines sonnigen Nachmittags dann spritzen endlich sechzehn Meter in die Luft und die Augen der Queen wurden groß. Sehr groß! Und auch die der anderen!

Reflexartig wurden sie erst dann geschlossen als klar war, dass das Wasser nicht so klar war. Urin- und Kotreste waren damals noch nicht so gut durch die Leine gefiltert. Heutzutage helfe ihr dabei das modernste Klärwerk Europas, eröffnete mir Andreas während unserer Radtour. Doch zwei Jahrhunderte zuvor ließ sich das Englische Königshaus ihr adeliges Gesicht abwischen und ritt mit der nächsten Kutsche zurück in ihr eigenes Königreich.

Hannover braucht keinen König. Aber wenn sich die Zeitschriftabonnenten der „HÖR' ZU“ doch irgendwann mal mehrheitlich in Deutschland durchsetzen sollten, habe ich einen Wunschkandidaten. Besser zwei. Zwei Könige. Björn und Andreas strahlen in ihrer Wohnung. Wie alles um sie, was sie in den letzten acht Jahren angehäuften haben. Geblendet taumelte ich von einen Saal in den nächsten und übersah die golden umrahmten Fotos, die das glücklich paar in New York vor einer vorbeifahrenden Straßenbahn zeigte. Den Apple Computer hingegen konnte ich kaum übersehen. Wie es sich für ein monarchisches Paar gehört, strotzt die Dekadenz über die weiten des marmornen Schreibtisches. Nur der vergoldete Kronleuchter, der uns von hoch oben beobachtete, hätte sich mit der breite des Bildschirms vergleichen lassen. Eine Pflanze aus fernem Lande weidete sich an dem mit Juwelen besetzten Küchenstuhl. Setzen; Das ganze auf sich wirken lassen. Schon bevor ich dazu kam, servierte König Andreas mir den ersten Gang. Eine frisch gebackene Waffel. Bio-Eier. Schokoladenüberguss. Puderzucker. Bunte Streusel. Blattgold. Eierlikör. Nicht zu knapp. Ich spitzte genüsslich den Mund. Zwei lächelnde Könige beobachteten mich, wie ich dankbar zulangte.

Während Björn den nächsten Gang zubereitete, erzählt mir Andreas vom Leben. Straßenbahnfahrer wollte er schon immer werden. Damals, als er noch hinter der Mauer gewohnt hatte, träumte er viel. In der Deutschen Demokratischen Republik blieb ihm dieser Wunsch verwehrt. Einmal musste Andreas wegen staatsfeindlicher Äußerungen zum Schuldirektor. Doch auch der hatte Straßenbahnen nicht auf dem Plan. Enttäuscht vom Sozialismus reiste Andreas so oft er durfte hinter die Mauer, um sich dort mit Straßenbahnen fotografieren zu lassen. Sein erste große Liebe.

Doch er bereute es nie Koch geworden zu sein. (Nach diesen Waffeln bereute ich das auch nicht). Schließlich hatte ihn eine Kochstelle nach Hannover gebracht und letzten Endes zu seinem Ehemann. König Björn strahlte kurz vom Herd über seine Schulter. Andreas lächelte zurück. Hach.

Kurzweilig verfiel ich in meine Kindheit zurück, wo ich am Mittag abwechselnd „König der Löwen“ und „Susi und Strolch“ geguckt hatte. Das Schnarchen meiner Oma neben mir störte nicht, weil ich die Dialoge auswendig konnte... Kann es wirklich Liebe sein? Hannovers Königspaar waren verliebt. Andreas führte mich nach meiner dritten Waffel zu den Hochzeitsfotos, die ich vorhin übersehen hatte.

Auf einem war Silvester. Beide küssten sich. Aus Björns Glas träufelte ein wenig Sekt auf die weitläufige Dachterrasse. Im Hintergrund eine hell erleuchtete Nacht. Gold strahlende Wolkenkratzer. Viele Krümel Menschen mit Raketen wuselten auf der Straße. Überall hin schießende Lichter. Ein Minifeuerdrache speit seine Lichtkanone zwischen die winzigen Lücken auf dem Bild. Die Farben spiegelten sich in Andreas Augen wieder. Er würde den Kuss zuerst beenden.

Björn knetete im Hintergrund immer noch verschiedene Lebensmittel durch. Dazu mischte sich irgend etwas, was meinen Magen knurren ließ. Andreas merkte es sofort. Fast schon erwartete ich einen Krankenwagen, der mich sofort mit Flüssignahrung versorgen würde. Doch es blieb bei einem gut vorbereiteten Snickers aus der Hemdtasche. Für den Notfall, lächelte Andreas.

Das Foto mit der vorbeifahrenden Straßenbahn war gar nicht aus New York, wurde ich korrigiert. Aus Budapest sei das. Die kaufen die alten grünen Straßenbahn aus Deutschland und malen sie blau an.

Klar. Straßenbahnen kennt jeder. Jeder fährt jeden Tag damit. Doch wer steckt hinter den grünen Dingern? Andreas. In Hannover erfüllte er sich selbst seinen Lebenstraum. Nun ist Andreas Hannovers wohl bekanntester Straßenbahnfahrer. Eine Zeit lang trug er verschieden gefärbt Irokesenschnitte. Hier und da war er mit Piercings geschmückt. Ein Silberner ging durch seine Nase. Viele Kollegen waren nicht gut auf ihn zu sprechen. Es gebe viel Gerede. Andreas sei das wumpe. Er hatte was in seinem Leben gelernt: es sich nicht erträglich zu machen. Andreas lebte. Und wenn Andreas um acht seine Schicht in der Linie vier beginnt und er ein erstes „Guten Morgen“ über die Lautsprecher der Bahn verkündigt, will er seine Fahrgäste mit dieser Idee anstecken. Ich war schon nach der ersten Waffel infiziert.

Andreas hatte einen schüchternen guten Freund. Ein Student. Maschinenbau. Oft fuhr dieser Freund in Andreas Schichten mit ihm. Er liebte den Blick aus den Fenstern der Straßenbahn. Genau wie Andreas. Jeden Tag passiere was anderes. Der schüchterner Freund sah alles nur für wenige Sekunden:

Eine Kellnerin, die über den kleinen Dackel stolperte; Das rote Fahrrad, mit den Blumen am Lenkrad; Ein heulendes Kind; Eis auf der Straße. Regen träufelt die Fensterläden entlang. Linden-Daddys mit weiten gelb gestreiften Hosen und grünen Kinderwägen beim Shoppen. Dann fuhr die Bahn schon weiter. Andreas Freund überlegte sich auf der Fahrt Geschichten zu den kurzen Sekunden, die er Einblick in ein Leben hatte. Einmal überlegte er auf einer anderen Fahrt von Ahlem zum Aegiedientorplatz sein Studium zu schmeißen. Er tat es. Andreas half ihm dann Straßenbahnfahrer zu werden.

Das Essen war fertig. Ich weiß immer noch nicht genau, was da vor mir auf dem Teller stand. Nach den ersten Bissen fiel ich in tiefe Trance. Lecker. Meine Augen öffneten sich erst wieder, als ich zu meiner eigenen Überraschung mitten in einer Fahrradtour steckte. 25 Kilometer. Erstaunlich wie gut es mir nach der Hälfte noch ging.

Über Wiesen und Wälder (Eilenriede), Stock und Stein (Maschsee) zischte Hannover an mir vorbei. Andreas und Björn wussten alles über diese Stadt, wie es sich für ein Königspaar gehörte; Dabei waren sie erst vor ein paar Jahren zugezogen. Kennen gelernt hatten sie sich nicht in der Schwulendisko in der Nähe von der Jugendherberge am Maschsee, auch wenn sie beide oft da gewesen waren. Erst im Chat hatte es gefunkt. Eigentlich hielt der Straßenbahnfahrer nicht so viel von Technik. Er hatte noch nicht mal ein Handy. Und Fremde über dieses Internet treffen? Heute war ich schon sein vierter Couchsurfer in diesem Jahr.

Wir setzten uns in die Nachmittagssonne des Biergartens in Linde. Björn gab eine Runde aus. Angeduselt von der zweiten Runde, erzählte ich von meinem Internetdate. Auch da gab es Bier. Einen Sixerträger Becks. Und eine Tunfischpizza. Ich hatte den Mund offen stehen, als ich in ihre Tür eintrat. „Du mochtest doch Thunfisch, oder?“

Das Internet bietet unglaubliche Möglichkeiten, fuhr Björn fort. Das fand ich auch. Arabische Revolutions Getwitter. Wikipedia. Couchsurfing. Dieser Blog. Noch nie schien es offensichtlicher, wie sehr möglich Menschen sich auf der ganzen Welt verbinden und organisieren könnten. Und es auch tun. Das Königspaar hörte mir nervös zu. Doch klar; Euren Thron möchte ich stehen lassen. Ein kommunistisches Ehepärchen. Zaghaft erinnerte ich mich an die leckere Schokoladenwaffel zurück; Nicht zu viel erinnern. Oh Doch! Die war so gut! Die Trance hatte mich erneut im Griff.

Der nächste Augenblick wo ich wieder zu Bewusstsein kam war am Leineufer. Zusammen räumten wir die Glassplitter von letzter Nacht weg. Andreas hatte mit seinen Oi!-Freunden gegrillt***. Björn war schon um zwei Uhr gegangen. Aufräumen gehöre dazu. Aufräumen. Gehört. Dazu. Ja. Akzeptiert. Ich räumte auf. Die kommunistischen Oi!-Könige mit einem Hang zum Umweltschutz, übten ungewöhnlichen Einfluss auf mich aus. Doch ich gehorchte.

Ja, das war genau der Grund, warum ich mich unbedingt mit ihm treffen wollte“, schwärmte Björn. Ich hingegen hatte weitaus weniger Glück mit meinem Internetdate. Nach der Tunfischpizza musste ich spontan gehen, weil es einer Freundin, die bei meinem Date anrief, spontan nicht gut ging.

Betrübt räumte ich die letzte Scherbe in den blauen Sack. Dann versenkten wir ihn bei der Limmer Schleuse in den Mülleimer. Tief. Sehr tief. Da, wo niemand mehr dran denken würde.

Niemals mehr!

Ein durch die Schleuse künstlich aufgebauter Wasserfall rauschte uns die Ohren voll. Björn erzählte mehr sein Hannover.

Umgebaute Straßen. Unbekannte Straßenbahntunnel; Noch unter denen des Hauptbahnhofes. Ein unterirdisches System von Gängen, die sich durch die Innenstadt zogen. Eine zweite Altstadt, die im zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde. Dieses Hannover war ein Typ, der schon viel mitgemacht hatte. Über die Entstehung seines Namens ist man sich übrigens nicht mehr sicher.*

Verblüfft wanden wir unseren Blick vom Wasserfall ab.

Hannover hat viel zu bieten. Das würde gar nicht erkannt werden. Du kannst hier sein und dieses grüne und das Wasser an dich ran lassen, oder fährst in fünf Minuten dahin, wo sich Linden-Daddys um Handtaschen prügeln. Hannover lebt!

Und ich überlebte mit ihm; So gar die letzten fünf Kilometer. Ein fitter Mensch war ich doch; Stolz entglitt mir eine Träne der Erleichterung. Dann naschten wir bunte Milka-Osterhasen, auf der großen Liegewiese in der Stube und guckten eine monarchisch Komödie mit Hape Kerkeling**. Als sich die beiden schon lange in ihren Schlafsaal verabschiedet hatten, blies ich Strolch die letzten von vielen Teelichtern auf der Fensterbank aus. Ein sehnsüchtiger Blick zum Mond. Jaul. Ein Chor von güldenen Engeln flatterten zum Kronleuchter über mir. Sie setzen sich und untermalten meine Gesänge. Diese achte Nacht machte alles dunkel. Ich schloss die Augen. Und schlief. Tief. Es klingelte. Susi rief an und jaulte zurück. Dann wechselte ich die Couch.

Am nächsten Morgen stand in dem Horskop der „HÖR ZU“ für mich Folgendes:

[...]GLÜCK: Ein kurzer Ausflug wird ihnen neue Perspektiven zeigen. Haben sie keine Angst!“

Ich gehorchte dem Befehl, packte meine Sachen und machte mich angstfrei zu Couch # 9 auf.

PS: In Parkistan wurde übrigens ein Königssohn beim urinieren vor einem Restaurant fotografiert. Manche Ding scheinen sich wohl nie zu ändern.


* Andreas informiert: Früher dachte man noch, Hannover leitet sich aus dem altdeutschen Wort „Hannovere“ ab, was so viel bedeutet wie: „Stadt an der Furt“. Plausibel. Die Leine hat eine Furt, über die früher Kutschen und Pferde reisen konnten. Weil alle Menschen nur über diese Furt reisen konnten, hatte sich schon sehr bald ein paar pfiffiger Kaufmannsleute dort niedergelassen und ihre Waren verkauft. Daraus entstand dann später die Stadt Hannover.

Doch inzwischen weiß Andreas, dass der altdeutsche Name „Hannovere“ damals noch eine ganz andere Bedeutung hatte. So bleibt die Namensherkunft weiter ungeklärt.

** Willi Und Die Windzors

*** http://www.youtube.com/watch?v=bjqoua1sIvk


Montag, 2. Mai 2011

Couch # 7 | Entziehungskur

Mein Fotohandy scheint an meinem Bluetooth-Adapter vorbei zu reden. Handy sagt: Ich will USB-Stecker und der Laptop sagt: is nicht, gib mir Bluetooth. Ich als Vermittler zwischen den verhärteten Fronten überlege das Problem zu überbrücken und halte mich im Hintergrund. Die sollen das selbst regeln. Schlecht Vermittlerposition. Aber was tun, wenn Bluetooth und Kabel einander nicht mehr lieb haben. Sie scheiden lassen? Als Scheidungskind, wie so viele, kann ich das nicht zu lassen. Ein Schuss Harmonie braucht das Ganze. Eins dieser Lösungsmittel, die früher auch in den Eddings drin waren. Ich erinnere mich, wie vor mir 90 Minuten Mathematik stattfand und ich mich heimlich am Edding berauscht habe; Viel erträglicher.

Doch das waren nur die Anfänge meines exzessiven Caférausches, der sich dann – wie schon an anderer Stelle erwähnt – zum Abitur hin eingeschlichen hat. Der Trend von Club Mate weg und zu der härteren Mixtur aus Café und Cola, „Hausmarke“ - eher in Linden anzutreffen, als sonst wo – , ist das, was mich neuerdings im Griff hat. Fesselnder Gedanke, wenn ich mir meine Cola auf dem Tisch anschaue; Ein wenig Café beimischen. In Gedanken stellte ich mir schon vor, wie ich während des Trinkens an dem Edding aus meinem Rucksack schnüffelte. Niemand würde es verurteilen. Schon gar nicht, wenn es Albert sehe. Der noch Lindener-Künstler, der von sich behauptet keine Moral zu haben.

Er begrüßte mich mit Club Mate. Ihr seht, der Übergang macht Sinn, wenn er mir die Haustür öffnet und mir die Flasche in die Hand drückt. Sofort bin ich angetan. Zwei Freunde begrüßen ihn zufällig auf der Straße und fragen, wo wir hin gehen. Die eine lächelt mich an; Intensiv. Sehr gut. Die Mate erfüllt ihren Zweck; Ich lächele zurück. Zusammen wollten wir ein Konzert besuchen.

Der Spaziergang mit den zwei Damen dorthin führt zuerst in Alberts Wohnung. Albert verschwindet in sein Zimmer. Die zwei Damen ins Bad.

Ich spaziere alleine weiter; Durch Alberts WG; Entdecke die Küche für mich; Hier und da Bilder; Ein Kühlschrank; Weiß; Der Herd. Schick. Ein wenig dreckig; Könnte die Wohnung sein, die mich erwartet, wenn ich aus meinem Elternhaus ausziehe, wo alles so ordentlich ist. Das ganze mal durchzurühren und eine neue Ordnung zu schaffen, schmeichelt doch jedem, der vorher in fremdem Strukturen seinen Alltag verbringt. Was neues für sich aufzubauen. Schön kann sich das anfühlen. Hier und da seine eigenen Fettflecken zu setzen. Den Kühlschrank so zu stellen, dass er den Herd zulächeln kann, wie in Alberts Küch. Die beiden nicht alleine stehen zu lassen; Dachte ich mir auch und spaziert weiter in das Bad.

Lina telefonierte noch mit ihrer Mutter. Als wir später auf der Limmerstraße zurück an dem Punkt gegangen waren, wo wir uns zufällig getroffen hatten, lästerte sie kurz über sie. Mütter wollen alles wissen. Wie sieht's bei dir aus? Ist dein Zimmer so und so? Ich kann dir helfen! So und so? Ich wollte das auch wissen. Leider ging Linas Lächeln mit ihrer Freundin und dem großen mir unbekannten Rest weg. Mütter halt. Ihre Person blieb mir noch kurz in Erinnerung. Klebte an mir in einer Ecke. Weiter unten rechts, wo noch ein wenig Tageslicht rein strahlen konnte. Ein Fleck in meinem Seelenhaushalt. Doch der – Haushalt – richtete sich schon wieder ganz anders ein; Neuer Lack; als Chaterina dazu traf. Alber hatte wohl viele Freunde. Eine Asiatin. Lächelte auch hübsch. Selbstbewusstsein war das erste, was mir auffiel.

Albert, oder auch „Alberto Banale“ - ein Künstlername von vielen, wie ich später vermutete – glich das aus. Niemandem verpflichtet. Noch nicht mal der Moral. Er sei Künstler und schon für nächstes Semester in Weimar eingeschrieben. Das war ihm klar und natürlich: ja! Dieser Mensch ist ein Künstler. Er fotografiert und erzählte mir von Installationen. Und ja, er mochte Recht haben. Die Bilder ließ ich kurz auf mich wirken. Oberflächlich. Klebt leider nicht fest genug, als dass ich was davon mitteilen könnte. An einer meiner weißen Küchenwände könnte ich versuchen was hinzumalen; Damit man mehr von Albert in mir erkennt. Vielleicht schreiben, dass da was in mir vibrierte, wenn ich auf das Licht guckte, was dem Schrank wärme versprach, wenn er noch ein paar Stunden so stehen blieb – auf dem einen Foto; von Banale. Er, der Schrank, rührte sich nicht und genoss die wärme; So Wie ich Albert genoss, als er mir erzählte, dass dieses Bild nur ein schlechte Alternative sei und die Guten im Theater hingen. Dort war er grade mit einer Theatergruppe im Gange.

Meine Küche richtete sich neu ein: Das Theater, von dem er erzählte, war unser Ziel. Eine Band spielte hier. Indie, sagt er. Was mag das sein?; Indie kann es nicht geben, denke ich. Heißt doch Independent? Unabhängig? Aber ich bin abhängig von dem, was mich umgibt. Dieser – meiner - weiße Kühlschrank war plötzlich ganz wo anders; Beim Kickern. Irgendwo weit hinten. Die Band hatte schon fertig gespielt, als Chatarina, Albert und ich bei der Bühne unseren Spaziergang von Limmer bis hin zur Altstadt unterbrochen hatten.

Mit Alberts Augen konnte ich auf den Weg zum Kickertisch zum ersten mal Taks sehen. Vorher ignorierte ich die gesprayten Sachen, wie Werbung.

Wände, welche noch frei von ihnen waren. Farblose Flächen. Aufmerksame Flächen. Unabhängige Flächen.Traurige Wände. Wände, die für immer farblos sein würden. Wie zum Beispiel die vielen toten Hochhäuser in der Innenstadt. Kameras blickten auf jeden Winkel dieser Leichenhalle. Von allen Seiten umzingelt. Kein durchkommen; Von Ideen, die sich hier verwirklichen könnten: Ein zerstörtes Haus, ein krummer Briefkasten; ein Aschiebelager vor H und M; Das alles könnte nie sein. Albert und seine Unabhängigkeit gingen trotzdem praktisch vor:

Schnell genug müsse man sein. Hier und da ein Freund; Aufpassen! Mit Funk durchsagen, wenn es so weit ist. Spray schneller!

Das was vorher nur im Kopf nun für jeden sichtbar.

Ein Polizist würde laufen, doch Albert konnte fliegen. Schmunzelnd sah ich ihm dabei zu.

Die Band verlor das Kickern nicht. In Hannover heißt es krökeln. Verdammt war der Bassist dumm. Ein Lockenkopf der so aussah wie ein Kneul abgebrannter Kippen. Im Taumel seiner Jubelgesänge brachte er die Asche zum wackeln. Überall in jede Ecke setzte er sein Häufchen. Chaterina auf den Arsch klatschend verabschiedete sich der Gewinner unserer Krökelei mit seiner Band im Tourbus. Lichter gingen aus. Auf zum nächsten Ort; Neue Ärsche klatschen. So ein Dummer.

Unser Spaziergang ging wo anders weiter. Eine neue Küche richtete sich in mir ein. Jetzt war der Kühlschrank wieder da. Öffnete sich so gar leicht. Ein wenig Kühle strömte mir entgegen. Am nächsten Kiosk griff ich mir ein Bier.

Chaterina war intelligent. Und sie erinnerte mich an mich. Wir waren ich und ich. Nicht die Band. Würde. Bitte gib mir ein bisschen Würde. Danke. Macht 2,50? Für Club Mate hab ich grade mal die Hälfte ausgeben. War halt ein günstiger Preis beim Konzert, meinte der Rausgeber. Ein Konzert, was wir nie gesehen hatten. Wie viele Bassisten wohl grade ihren ersten aufdringlichen Ton auf den Bühnen dieser Welt durchschlagen. Wir würden sie nie alle hören. Vielleicht besser so

Bringt auch nichts, sich den Kioskpreis für Bier von irgend einer illusorischen Ebene schön zu malen. 2,50 sind 2,50 und daran gibt es nichts zu rütteln. Doch das Bier was ich dafür bekam wuselte mir diese Ebene zurecht. Jetzt passte es wieder. Illusion mit jedem Schluck. Danke Kiosk. Danke, dass es doch nur so und so viel war.

Ich lachte viel über das hinweg, was Chaterina erzählte. Komisch, komisch. Ja, ja: Dieses Magazin, was man immer mal selbst machen wollte, aber eigentlich nicht so richtig weiß, wie man das große ganze angehen soll. Oder was man da eigentlich umsetzen will. Schon seit einem Jahr in Planung. Jaja. Lach, Lach. Ich helfe gerne. Ich träume das doch auch. Genau. Irgendwann nach dem Abi. Das sehe ich auch so. Ich hab so gar noch so ein Aufnahmegrät für Interviews, von früher. Genau das. 0163/6709654. Klar helfe ich bei so was. Ach, das Konzept schreibst du noch? Ich hab auch noch viele Ideen. Albert beobachtete viel und lachte viel mit.

Seine Kücheneinrichtung kam mir in den Sinn. Dreckig. Immer passierte was. Der Fettspritzer vom letzten vegatrischen Burger. Heiß brannte er sie sich in meine Haut. Es war ein angenehmes brennen. Zart und weich. Der Fetttropfen schlich sich mit meiner Hilfe in mein Blut und wusch mich ordentlich durch. Alles so schön; Sauber. Anders sauber.

Ich erzählte Chaterina von Alberts Fettspritzern und sie platzierte zögerlich einige wenige auf ihre Maschmaschine; So, dass nur sie sie sah. Und trotzdem konnte ich sie sehen. Alles wie früher:

Chaterina hatte diesen harten und verletzenden Ehrgeiz. Sie war schön; Gut in der Schule; All das. Doch später, als wir vor der Glocksee saßen verstand ich, warum ich früher regelmäßig eine komplette Zwangsräumung in mir spürte. Und ich verstand auf einmal, warum ich dieses zweite und dritte und vierte Bier vor der Glocksee getrunken hatte. Und ich verstand, warum Albert so viel lachte und zudem noch nüchtern war. Immer wenn eine reinigende Kur nötig gewesen wäre, hatte ich mich ihr so gut es ging entzogen. Ihr merkt, daraus ergibt sich der Sinn vom Titel bis hier hin: Entziehungskur. Sich der Kur entziehen.

Chaterina trauerte weiter vor sich hin – auf der Bank vor der Glocksee. Noch. Ich konnte ihr nicht helfen. Sie wollte bald nach Hause. Wir brachten sie bis zum Bus. Weg war sie mit meinem Kühlschrank. Da wo er früher breit flächig Platz genoss entschloss ich mich ein Feld anzulegen,mit meinen eigenen Mate-Pflänzchen.

Albert verriet mir beim Frühstücken, dass es dutzende Sorten Mate gab. In Südamerika sei es das Getränk der Revolution. Würde nur genug konsumiert werden, würde die Revolutionskurve bis zu einem Punkt ansteigen, wo die Leute gar nicht mehr anders könnten, als zu revolutionieren. Der Politiker ohne Moral hatte mir eine interessante Theorie offenbart. Als wir nach dem Aufstehen den Spaziergang von gestern fortsetzten, entschloss ich mein Mate-Feld um den Herd zu erweitern. Alberts Herd war sowieso kaputt, so nahm er ihn gern.

Ab heute würde ich also nur noch Mate trinken. Konsequenter weise entschloss ich mich entschieden; Selbstbewusster den je. Stärker als zuvor. Die Limmerstraße. Whoau, wie die heute in mein Gesicht schoss. Streichelnde Pfeile kamen mir von überall entgegen und malten neue Bilder an die vorher kahlen Küchenwände.

Wieder ein neuer Spaziergang; Wieder lachte Albert – jetzt entdeckte ich so gar seine Unsicherheiten. Das Lachen war manchmal so und manchmal so. Komisch, dachte ich, und lachte mit ihm. Und ganz spontan, als unser Weg zum Kühlschrank am Kiosk bei der Leinaustraße zur Club Mate führte und Albert mich fragte, ob ich auch noch Club Mate Cola zum Abschied mitnehmen wollte, sagt ich: ne; Blüht schon genug in mir.

Die Mate Knospen auf meinen Feldern von gestern Nacht und heute morgen verströmten eine gute Dosis. Ich verließ mich darauf, dass Albert und ich uns noch vor meiner ersten Ernte wieder sehen würde und spazierte den Weg zur nächsten Couch alleine weiter; Mit mir.

PS: Bilder von Alberts Kunst kann ich übrigens nicht zeigen, weil das Fotohandy und Laptop sich immer noch nicht verstehen. Scheiße.

Freitag, 29. April 2011

Couch # 6 | Ich Kann's Nicht Sagen

Erst mal eine Playlist für diesen Blog erstellen. Ist ja schon wieder ein paar Tage her, seit das passiert ist. Die Gefühle ein wenig raus kitzeln. Egotronic macht den Anfang. Ich kann's nicht sagen. Passt gut. Ich kann's nicht sagen.

Ich muss es doch irgendwie in Worten zusammen kleben können. Klar ist es immer pathetisch. Ich weiß. Sie las mir dieses Gedicht vor. Da lag ich schon auf ihrem Bett und mein Herz klopfte ihr Reimschema ab. Uns verband eine traurige Kindheit. Beim erzählen, fand ich mich selbst dramatisch.

Schon wieder nicht genug. Immer noch platt. Bekomm es nicht reingepresst, in diese Buchstaben. Außerdem ist mein „E“ nur teilweise funktionsfähig. Gestern noch mit Teppichkleber neu fixiert.

Ich mach noch mal den Song an. Ich kann's nicht sagen. Alles ohne E. s gibt in mng Wort di ich ohn „“ nicht schribn könnt.Der Bass geht direkt in mein Ohr. Am Tisch mir gegenüber sitzt ein Araber und glotzt; Wippt seinen Kopf im Takt des Beats. Wenigstens er scheint zu verstehen.

Du willst auch die Revolution?“ Klingt leicht spanisch. Der Araber lächelt tückisch.Ich lächle zurück und kraule schmunzelnd meinen revolutionären Bart.

Heute bin ich in dieses Café mit den roten Wänden. Sonst war ich immer in dem mit Bionade-Menschen. Grüne einsame Mütter, die mit ihren Kinderwägen einen Kilometerstau vor der Kasse erzeugen. Die Mütter lebten dort für ihre Kinder. Nutzten es auch als Waffe. Für Aufmerksamkeit Und die bekamen sie. Immer:

ACHTUNG! HIER KOMMT DIE MUDDI MIT IHREM KLOPPS! DEN KÖNIG DEN ICH GEBAR HAT DAS RECHT ALLE FENSTERSCHEIBEN DIESER STRAßE MIT EIS VOLLZUSCHMIERN! WEHE IHR SAGT WAS DAGEGEN! KINDERHASSER!“*

Am See erzählt mir Luna von ihrer Liebe; Von ihren einjährigen Aufenthalt im Asylheim und von dem, was sein soll. Intensive Blicke. Eine weitere aggressive Mutter mit ihren Gänsekinder blockierte uns den Weg. Wild fauchte sie los. Wir lachten. Ich war angespannt. Nervös. Wie Britney vor ihr ihrem ersten großen Auftritt – vielleicht. Auch wenn sie es jetzt schon so oft gemacht hat. So gar vor Kameras. Immer noch war ich nervös. Machte doofe alberne Sprüche. Hörte wieder auf damit, als die Gänsemutter uns mit wildem Flügelschlag passieren ließ.

Als junges Mädchen kam sie aus Syrien. Am selben Tag, an dem wir uns trafen, brach die Revolution aus. Endlich. Aber sie forderten nur demokratische Evolutionen. Das sei zu wenig. Als ich am nächsten morgen über die Schulter von Lunas Mutter auf den PC Bildschirm guckt, vor dem sie die halb Nacht nach Neuigkeiten gewacht hatte, schämte ich mich. Hatte sie uns gehört?

Lunas Mutter war nach Deutschland gekommen, um ihrer Tochter Sicherheit zu geben. Ein Abitur. Sie selbst hatte Architektur studiert. In Deutschland war sie aber nicht ausreichend mit den Gesetzten vertraut und fand so keine Anstellung mehr. Nächster Song. Selbes Gefühl. Schmerz. Nein. Doch nicht. Klingt aber an diesem Punkt ganz gut. Ich blende zurück zu dem Punkt, wo wir uns verabschiedeten. Am historischen Museum. Hinten war noch das Wasser der Leine zu hören. Plätscher, plätscher. Strahl, strahl. Sonne, Sonne.

Ich würd' dich gern küssen“

Sie gab ihn mir. Einen kurzen.

Ich kann das nicht.“ Luna wurde hibbelig, als sie ihre Augen wieder öffnete. Sie warf ihr langes schwarzes Haar in ihren Nacken. Spielte damit. Ihr tiefschwarzen Augen blickten mich nicht an; So wie gestern.

Ganz fest drückte sie meinen Körper an ihren. Sie hielt mich fest. Wir schwiegen. Nächster Song: „Ich will nur“ Hm. Jetzt wird es kitschig. Na gut, ich lass mich noch ein wenig weiter drauf ein und komme zum Anfang. Das Textgewirr zeigt die Momente, die grade wild in mir her fliegen. Ordnung? Wozu. Es ist wie es ist. Ist es wie es ist? Ist das in Ordnung?

Wir fanden uns im Ballhofcafé – seit September geöffnet. Die Besitzerin erzählte mir fröhlich, dass sie nun eine Förderung von über 10.000 Euro bekämen**, mit denen sie die Bands bezahlen könnte. Viel Indiebands. Das Café gefällt mir; Doch ist es noch nicht gut besucht. Hin gehen!

Ich würde noch öfters hier her kommen. Club Mate für 1,50 aus einer Flasche, die ich nicht kannte. Seit gut einem Jahr war ich nun schon abhängig von diesem koffeinhaltigen Getränk. Zum Abi hin, hatte ich stattdessen eine ganze Kanne Kaffee getrunken. Der Café hier im Notre Dame kostete 2,30. Karamellgebäck inklusive.

Unbezahlbar hingegen die Erleichterung, die ich bei unserer Begrüßung empfand.

Den Tag über hatte ich nach einer Couch auf Hannovers Straße gesucht. Überall. Doch es war Feiertag und nur Rentner mit ihren Enkeln auf den Straßen, die eher weglaufen wollten, als mir ihre Couch anzubieten – so war zumindest mein Gefühl. Ich verstand das. Seit Beginn meiner Couchsurfer-Tour hatte ich meinen Bart wild wachsen lassen. Zu den vielen Stoppeln hatten sich ein paar Pflänzchen gesellt. Ein Bäumchen. Hier und da eine Urwaldkolonie. Ein Einwohner ging mit seinem Esel auf Wanderschaft, um am nächsten Morgen auf meinem Kinn aufzuwachen. Noch einmal kratze ich mich im roten Café mit dem Araber am Bart und bestellte eine Fanta. 1,50. Warum kostete das Wasser 70 Cent mehr? Ist es heilig? Revolutionswasser? Ich fragte, doch die Bedienstete guckt mich nur komisch an.

Eine Gruppe Raver hatte ich noch nach einer Couch gefragt. Hannovers Raver treffen sich jeden Freitag am Opernplatz. Mit von der Party: ein gammliger Kassettenrekorder und – ein Kinderwagen! Das Baby schlief ruhig. Ich bin echt keine Lattemachiato-Mutter, aber ein Baby inmitten einer offensichtlichen Drogenhochburg fand ich nicht richtig. Das letzte Rentnerehepärchen was ich erfolgreich verschreckt hatte, blickte mir noch hinterher, als ich mich entschied den Ravern meine Meinung zu sagen.

[...]Ist doch mein Ding, oder ist das etwa dein Kind?“, fragte die Mutter wütend.

Ich hoffe nicht.“

Die Mutter spuckte mir ins Gesicht.

Viel Spaß damit beim Vaterschaftstest“

Mütter in Hannover haben eine satanische Seite, wenn es um ihre Brut geht. Frustriert räumte ich den Opernplatz. Die Rentner von eben warfen mir mitleidige Blicke hinterher. Bräuchte ich nicht den Speichel des Babys, für einen Vaterschaftstest? Oder sah ich schon alt genug aus, ihr Vater sein zu können? Egal von wem ich der Vater sein sollte, Geld genug hatte ich sowieso nur für die Fanta, die mir jetzt beim bestellen auf einmal erstaunlich günstig erscheint.

Eine Couch auf Hannovers Straßen zu finden, gestaltete sich also als unmöglich. Spontan entschloss ich mich Luna an ihrem Arbeitsplatz zu finden. Darum begrüßte sie mich auch herzlich in ihrem Ballhofcafé und bot mir ein Stück Schokoladenkuchen an. Ich schwebte. In diesem siebten Himmel, von dem so viel geredet wird. Schokoladenkuchen. Sie war es. Mit was wenn nicht mit Schokoladenkuchen hätte sich die perfekte Frau für den sechsten Tag zu erkennen geben können. Ich umarmte sie und fragte sie nach einem Übernachtungsplatz. Klar. Kein Problem.

Der Sonnenuntergang glitt beim Verdauen meines Schokoladenkuchens durch Kleefeld nur beiläufig an mir vorbei. Hier und da waren Seen gemalt. Geheime Wegen nach irgendwo. Leute die im warmen Gras saßen und ihre Zehen lackierten. Holzkohle glühte langsam runter. In weniger als zwei Stunden hatten wir uns unser Leben anvertraut.

Dieses Gedicht dann später auf ihrem Bett, was sie immer bei sich trug. Wir beide lagen neben einander. Sie las es vor. Wie über einen dieser vielen geheimen Wege schien es mir in dieser Nacht. Kaum einzusehen, wo er hinführte. Auf halben weg noch mal zurück gehen, um dann den anderen dunklereren Pfad zu gehen. Ein wenig Morgentau in meinem Kopf.

Die Playlist spuckt die nächste Ballade raus.Trällert von Freiheit und denkt, es sei was besonderes. Der Song-Mensch würde sie nicht weg geben wollen; Die Freiheit. Die Wahrheit ist, dass das gar nicht möglich ist. Das Gefühl, was zwei Menschen verbindet, beweist, das Freiheit immer da sein kann. Liebe ist eine besondere Sphäre. In ihr scheinen die Gesetzt unter denen wir leiden und Freude haben, ausgeschaltet. Das gestern war keine Lieb. Aber es war so was, was es hätte werden können. So ein Gefühl von Freiheit.

Doch dann vor diesem Museum, in Hannover. Kein Erich Fromm hätte das rationalisieren können. Kein Adorno könnte schwerere Gefühle auslösen. Für sie war es eine Nacht. Klar. Natürlich. Für mich doch auch nur. Klar. Wir sehen uns bestimmt wieder. Das war halt das sechste Leben auf meiner Tour. Mehr nicht. Es kommen ja noch acht andere. Bis dann.

Playliste ist zu Ende. Ich geh mit meinem Gepäck ein wenig verstört durch die Mittagssonne der Limmerstraße. Kaue an meinem Brötchen rum; Brösel dran rum. Gib einer Taubenfrau, die grade von ihrem Lover belästigt wird ein paar Krümel ab. Hoffe, dass es mal eine sympathische Mutter wird. Gucke so frei, wie es in dem Lied vorhin beschrieben wurde. Genau so will ich jetzt gucken. Doch das funktioniert natürlich nicht. Ich werde ein Teil der Playlist. Nach belieben abspielbar. Am nächsten Abend zum Beispiel. Plötzlich war ich wieder bei ihr. Sie hat nur auf play gedrückt. Lässt mich abspielen. Und ich finde das trotzdem gut.

* Worte einer Angestellten. Ich distanziere mich natürlich nicht.

** Aussage wird zurück gezogen!

Donnerstag, 28. April 2011

Couch # 5 | Im Wald Schizophren werden

Eine Bierflasche ergibt sich der Schwerkraft. Als Ganzes weiter zu existieren wird unmöglich. Sie teilt sich auf in viele kleine verschiedene Splitter. Manche sind größer und tun weh, wenn man sie beim tanzen nicht beachtet. Andere lassen sich mit der Schuhsole gut vereinen – fallen erst in der Bahn nach Hause, oder nie auf. Der Flaschenhals bleibt immer ganz. Sehr stabil. Aus ihm könnte man immer noch trinken.

Maren bildet Pädagogen aus. Doch, bevor mich diese lehrreiche Frau am Mittag umarmt, war ich ganz woanders. Im Gericht. Noch immer leicht angetrunken.

Ali's schwedische Geliebte von letzter Nacht hatte einen Freund. Einen Ex-Freund. Der war aggressiv. Um 8 Uhr wollte sie zusammen mit mir und Ali eine Nummer ziehen, um den Typen auf Abstand zu halten. Leider gab es nur dreißig Nummern, wie uns später erzählt wurde. Das diese 30 Nummern schon vor 8 Uhr aufgebraucht waren, wurde uns klar, als wir die überfüllte Schlange sahen. Ich fragte mich laut, ob die Leude alle für einstweilige Verfügungen anstanden.

Nein Schätzchen, hier hat jeder sein eigenes Schicksal.“

Pamm Pamm! Ein Schuss mitten in meinen Lachmuskel Die Frau, die so patzig losgeballert

hatte trug langes blondes Haar. Offenes langes blondes Haar. Große Augen. Strahlend. 35; Sah aber aus wie 25. Hatte früher gemodelt. New Yorkerin... Also nur zwei Jahre älter als ich.

Die Schwedin musste zum ersten Mal an diesem Tag laut lachen. Frühes Aufstehen und dann das Gerichtsgebäude hatten uns bis jetzt nur wenig erheiternde Momente gelassen. Eher erschreckende. Zum Beispiel der:

Einem Wartenden ging das mit den knappen Nummern zu weit. Er

schlug auf den grauen Kasten ein. Drei Männern überwältigten ihn. Dann war es wieder still.

Er – der Abgeführte – erinnere die Schwedin an ihn – ihren Ex-Freund – sagte sie mir mit blassen Worten. Mehr erfuhr ich nicht. Nur noch, dass sie große Angst hatte. Deshalb begleiteten wir sie. Ob es hier auch einen Kaffee gab?

Fang lieber an zu rauchen“, hustete die Amerikanerin mit hoher Stimme.

Du rauchst?“

Schätzchen, denkst du, ich will noch ewig hier leben? Natürlich rauche ich!“

Nicht ewig leben?“

Schau dich doch um.“ Eine alte blasse und leicht zittrige Gerichtsdienerin kam mit einem Zettel in der Linken aus einer der Eichentüren und rief Nummer sieben auf.

Die zum Beispiel raucht bestimmt nicht. An ihrer Stelle würd' ich Kette rauchen, um endlich aus diesem Gebäude abtransportiert zu werden.“

Ziemlich negativ, oder?“

Schätzchen, wenn du drei Tage in dieser Sackgasse hier verbringst und auf deinen Richter wartest, wüsstest du wovon ich spreche.“

Zumindest die Schwedin musste erneut lachen. Ali verstand nichts. Nach einer weiteren Stun

de warten auf einem Plastikstuhl, verloren wir ebenfalls die Lebenslust.

Crystal hatte Jura und Literaturwissenschaften in New York studiert. Philosophie fing sie in Deutschland eher aus Langeweile an, weil sie keinen Job fand.

Das erklärte auch, warum sie so viel Zeit mit warten verbringen konnte.

Schätzchen, ich hab zwar ordentliches Sitzfleisch, aber das gehört nicht auf diesen Pappstuhl, sondern dahin, wo es gesehen wird.“ Ihr ausgefeilter Sexismus hatte ein beruhigend Wirkung auf uns. Crystal versprach, den Richter für uns zu bearbeiten. Ich zweifelte nicht an ihren Überredungskünsten.

Als ich kurze Zeit später mit meinem Automatencafé zurück zu den Wartenden kam, waren die

schon mit ihrer Anhörung fertig. Crystal hatte den herzensguten Richter wohl überreden können, die Schwedin vorzulassen. Der hatte den Antrag lächelnd abgestempelt und ließ Nummer 13 durch seine Gehilfin rein rufen.

Crystal war besonders und ich stand auf das, was sie zum Abschied sagte:

Schätzchen, just be yourself. Jeder trägt seiner eigenes Schicksal mit sich. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“ Dann hörte ich ihr kaum noch zu und ließ mich eher von ihrer Ausstrahlung blenden. Sie war wie ein lebendiger Hollywood-Kitsch-Film. Die mochte ich auch. War ich verliebt?

Sie sprach aus tiefster Überzeugung;Holte alles raus ohne große A

nstrengung und traf mich direkt. Als ich später im Bus zu Marens WG in der List saß, war ich wirklich froh, dass ich nicht angefangen hatte zu flennen. Jesus hat eine Zeitmaschine. Und wie ich später auf Marens Klo las: „Magier sind Menschen, die Rückwerts in der Zeit reisen.“ Der Spruch bleibt hängen.

In Marens Küche schmiss ich ein paar Bierflaschen auf den Küchenboden, als wir nach drei Stunden reden endlich das Eis gebrochen hatten. Maren und ihre jüngere Mitbewohnerin Britta spielten mir 'Hits' aus ihrer Jugend vor. Peter Maffay. Dann dieses französische Bummslied. Je t'aim. Wir lachten heftig. Britta erzählte von ihrer ersten Arbeitgeberin in einem Steuerbüro. Sie war Alkoholikerin und gönnte sich regelmäßig verlängerte Wochenenden; Bedingt durch ihren übermäßigen Schnapskonsum. Tauchten im Büro montags oder dienstags mal Anfragen auf, die Britta alleine nicht lösen konnte, lallte die Chefin trotzdem qualifiziert Antworten von zu Hause aus durchs Telefon.

Einmal auf einer Weihnachtsfeier explodierte ein Konflikt: Brittas Chefin gegen Ex-Ehemann. Das was die Alkoholikerin und ihren Ex-Mann bis dahin noch vereinte, war die gemeinsame Kanzlei, die sie ebenfalls noch gemeinsam geführt hatten. Als der Ex-Mann allerdings mit seiner neuen „Tuse“ aufgekreuzt war, platzte der Angeheiterten Ex-Frau der kragen. Sie rief wutentbrannt ihren neuen Lover an. Er sollte „SOFORT!“ kommen. Der spätere Polizeieinsatz in dem kleinen Steuerbüro am Steinhudermeer konnte das schlimmste leider nicht mehr verhindern. Die gebrochenen Nasen, der aufeinander losgegangenen Aktuell– und Ex– Männer mussten im nahe liegenden Krankenhaus repariert werden. Die Chefin hatte diesen Abend noch viel geweint und natürlich getrunken und wachte erst wieder im Knast aus dieser Depression auf. Neben ihrem Ex-Mann; rechts. Und links; ihr Aktueller.

Auf den Weg vom Krankenhaus nach Hause, hätte die Alkoholikerin ihr Auto lieber stehen lassen sollen. Nach diesen diffusen Ereignissen hatte sich das üblich verlängerte Wochenende der Alkoholikerin, nun noch auf den Mittwoch ausgeweitet.

Das was von meinem verschütteten Bier übrig geblieben war, klebt dreist am Küchentisch; Lässt meine Hand in Zeitlupe zurück ziehen, als sie das matte Tischholz verlassen will. Auch die Tischbesitzerin Maren war anhänglich; Sie liebte junge Menschen; Zu sehen, wie sie jung in eine neue Klasse rein geboren werden und als erwachsene Pädagogen die BBS verlassen. Was sie denn so beigebracht bekämen, wollte ich wissen.

Eine vom Kehrblech vergessenen Scherben der zerdepperten Bierflaschen versetzte mir einen leichten Stich im Fuß, als ich beim zuhören unbewusst im Takt der Küchenmusik stampfte. Viele kleine Splitter, die es als Mensch zusammen zu halten gilt. Nie ist man eine Einheit; Illusion! Mein Kopf prickelte wie ein erigiertes Fass Brausepulver.

Der Wahrnehmungsfilter setzte auf einmal aus. Im Wald. Tief dunkle Laubhütte, in der sie eine Woche schliefen. Ihr Sohn und der Rest seiner Studentenkollegen. Regie sollte nicht nur heißen, Filme zu machen, sondern sie auch zu leben. Leben lernen könne man nur da, wo Realität mit der Idee des Regisseurs verschwimme, so die Tutorin. Sie karrte ihre junge Gruppe in den Schwarzwald, erzählte Maren weiter. Abgeschnitten von der Außenwelt. Alleine. Marens Sohn hatte einen Kreativitätsschub. Jeden Tag länger an diesem kalten verregneten Ort, machte ihn freier. Er lernte die Schwerkraft zu überbrücken. Alles schien möglich. Auch für seinen Studienkollegen Georg. Am dritten Tag wurde Georg von einem Krankenwagen abgeholt; In die nächste Klinik. Nach einem Monat dort wiesen sie ihn in eine Anstalt ein, wo er bis heute ist.

Unter Wissenschaftlern sei man sich heutzutage relativ einig, dass Schizophrenie durch ein Wegbruch des Wahrnehmungsfilters entstünde. Alle Informationen würden ohne Schutz auf das menschliche Gehirn eingeprasselt. Die Folgen: Stimmen die nie da waren. Geräusche. Bilder, die es nicht gibt. In anderen Kulturen wurden solche Menschen als Dorfschamanen verehrt.

Tiefe Angst mischten sich Marens Worten bei. Ich konnte mir das wegbrechen des Wahrnehmungsfilters gut vorstellen. Vielleicht zu gut. Sich von allem frei machen. Alles ungefiltert aufnehmen. Genau das ist das, was ich durch mein Projekt versuchte zu erreichen. Schnell verdrängte ich diesen Gedankengang, um ihn hier noch einmal kurz aufblitzen zu lassen.

Mit einem kalten Lappen wischt Maren über die klebenden Bierreste. Dann sprach sie weiter. Ungefiltert:

Wenn Traumata verarbeitet werden sollen, so gibt es verschiedene Techniken. Eine Technik funktioniert mit einer imaginären Fernbedienung; Im Kopf des Patienten. Mein Kopf prickelte immer noch. Bunte Lichter flitzten vor meinen Augen. Viel hatte ich nicht getrunken.

Der Patient wird ein halbes Jahr stabilisiert; Von der Psychologin. Immer gut zureden. Zuhören. Assoziieren lassen. Dann kommt die kurze Phase der Traumaarbeit. Der Patient wird nun zu dem zurück versetzt, was ihn belastet. Durch die Fantasiefernbedienung steuert der Traumatisierte das Schreckliche mit einer gewissen Distanz. Er kann weiter spulen, wenn es zu viel wird. Er musst stoppen, um zu verstehen. Zu begreifen; Zu Verarbeiten. Die Fernbedingung wird wieder weg genommen. Der Patient wird noch ein weiteres halbes Jahr stabilisiert. Fertig. Das Fass mit dem vielen Brausepulver explodierte. Gleichmäßig verteilte sich die prickelnde Masse über meinen ganzen Körper.

Es gab auf dieser Welt sicher viele Gründe sich in den Tod zu rauchen,vier oder fünf Tage in der Woche Schnaps zu trinken, oder sich im Wald einer Schizophrenie hin zu geben. Doch es gab immer noch den abgebrochenen Flaschenhals, erklärte mir Brittas Freund, der sich zur später Stunde an unseren mit Kerzen beleuchteten Küchentisch setzte. Maren Schloss die Balkontür. Ein Freund hatte ihn am Mittag neu mit Fliesen verlegt. Ein Freundschaftsdienst. Der Freund war seit einem Jahr ohne Job und ohne festen Wohnsitz. Maren unterstützte ihn, so gut sie konnte.

Brittas Freund war Biker. Nicht Rocker, wie ich immer zu ihm sagt. Bis zu diesem Abend waren mir die Unterschiede nicht klar gewesen. Auch er hatte Freunde, die ihm mit seiner Yamaha halfen. Ein ganzes Netzwerk, ähnlich wie die Couchsurfing-Community. In ganz Deutschland. Gab es mal eine Panne, müsse er nur eine der vielen Nummern anrufen und würde zumindest einen Schlafplatz bekommen. Das beeindruckte mich.

Über das Leben sei schon viel gesagt worden, philosophierte der Biker. Alles gesagte, stimme vielleicht immer für einen gewissen Moment. Für diesen Moment, so sagt er, stimme es, dass wir viele sind. Ganz viele unterschiedliche Teile einer Flasche. Wir könnten viel Spaß zusammen haben, liegen aber zersplittert in verschiedenen Mülltonnen auf dieser Welt rum. Manche brennn. Manche stinken einfach nur. Das was uns vereint ist das Wissen über den Flaschenhals. Und wenn wir es endlich packen würden, uns ihm anzuschließen, könnten wir alle trinken.

Bevor der Rocker mit Britta ins Bett ging, nahm er noch einen letzten genüsslichen Schluck von seinem Bier. Alkoholfrei.

Dienstag, 26. April 2011

Couch #4 | „Kurzer Fick?“ beim Küchengarten

Mein erster Tag als Student. Hornbrille zurecht rückend und meine gewienerte Ledertasche an mich pressend steh ich vor dem Spiegel im Bad meines heutigen Hannoveraners. Ich hoffe in der UNI nicht aufzufallen; Mich ja anzupassen; Nichts Falsches in den wohlgeformten Köpfen der jungen Studenten zu vermischen. Klar, dass ich bei der Wahl meiner Oberkleidung das in nur zwei Farben gegliederte T-Shirt vorzog - schwarz, weiß - nichts ahnend, dass Hammer und Sichel unter dem eher unpolitischen Studentenmob so verpönt war.
Die nötige Portion Notgeilheit – wie es sich für den Maschinenbaustudenten pflegt - habe ich mir in der letzten Woche Couchsurfen ausreichend antrainiert. Ebenfalls einen markanten Pickel, der mein Intellekt zum Ausdruck bringen sollte. Nein nein – ich war nicht so naiv ihn auszudrücken, damit alle meinem vernarbten Gesicht mehr Aufmerksamkeit schenken würden, als meinen qualifizierten Aussagen. All in all fühlte ich mich bereit. Zu studieren.

Kurz vor der UNI begann meine Maske jedoch zu zittern. Das eiskalte Maschinenenbau-Face bekam erste Risse, als wir vor der UNI angekommen waren. Ich nahm eine menschlichen Kontakt nach außen auf. Dabei muss man an dieser Stelle bemerken, dass die meisten Maschinenbaustudenten in erster Linie den Kontakt zu sich selbst suchen. Auch körperlich. Doch mir war bald klar wieso.
In der heutigen Zeit, sei es wichtig, seine Professoren zu verklagen. Es schickt sich nicht, sich mit guten Noten abzufinden, wenn sie nicht auch sehr gut sein können! Aha! Die Dame mit dem Packen Flyer vor der UNI hatte recht; Das sah ich ihrem strahlendem Gesicht an. Ich wollte also sofort alles darüber wissen, wie ich meinen Professor verklagen könne, den ich gleich kennen lernte. Was ich denn da so anklagen wolle, fragte mich die hübsche brünette Jurastudentin. Das überließ ich ihrer Fantasie, entgegnete ich keck; Untermalt mit einem wohldosiertem Augenzwinkern. Angemessen für einen Maschinenbaustudenten. Aha!, dachte sich die für ihre geschätzte 32 Jahre noch recht gute aussehende Dame und verschwand zum nächsten Klienten.

Ich fühlte mich plötzlich naiv. Sicher hatten andere Studenten schon lange vor Studienbeginn einen gnadenlosen Prozessplan gegen jeden einzelnen ihrer Lehrkräfte ausgearbeitet. Alleine wie ich da so mit meinem Maschinenbaustudenten Ali stand, war ich nicht lange. Nächste tröstende Worte fetzten mich aus meiner studentischen Depression heraus und verlangten die Antwort auf die Frage, nach einer Massage. Das war genau das richtige, dachte ich mir und ließ mir den nächsten Flyer in die Hand drücken.

Unterschreibe: ____________________!

Von eine auf die andere Minuten war ich in einen willenlosen Tagtraum versunken, aus dem ich mich nicht glaubte jemals wieder mit eigenen Kräfte befreien zu können. Ich griff zum Kugelschreiber und wollte den zweijährigen Knebelvertrag schon unterschreiben, als Ali die Gefahr witterte.
Mit seinen flinken Studentenfingern, griff er mir den gelben Kulli ab und warf ihn mit einem wütenden Gesichtsausdruck zu Boden. Dann kuschte er den verwirrt drein blickenden Flyer- Verteiler mit ein paar geübt aussehenden Handbewegungen aus unserer Reichweite.
Ali war 19 Jahre lang in der Weltmetropole Istanbul groß geworden. Seine herzliche Mutter war eine niedere Politikerin mit Ambitionen, sein Vater Gemüsehändler in einer kleinen Nachbarstadt neben Istanbul. Sie hatten sich auf einem dreitägigen Familienfest kennen gelernt, an deren Ende beiden die Ehre zu Teil wurde ein Kalb zu opfern. Für den Islam. Über den ersten Kuss wusste Ali nichts.

Als Jugendlicher hatte Ali viele Freiheiten genießen können, die anderen Türken in seinem Alter untersagt waren. Dazu gehörte zum Beispiel der beschränkte Genuss von Alkohol. Ali glaubte an den Kommunismus. Allah war für ihn wie ein böser Weihnachtsmann, den er ihn in seiner Kindheit mehr als strafend, denn als liebend wahrnehmen konnte. Ich sagte ihm auf Englisch, dass der Deutsche auch nicht viel besser sei.

Mein T-Shirt gefiel ihm auf anhieb. Es wäre gelogen, wenn ich hier nicht schreiben würde, dass ich den netten Menschen aus dem Land der dreisten Händler nicht schon vorher mal bei irgendwelchen Veranstaltungen getro
ffen hätte. In Istanbul steckten die Verkäufer den Touristen ihre Ware direkt ohne zu fragen in den Mund, um dann abzukassieren. Als ich mir den Flyer später mit klaren Augen durchblickte, war ich froh, dass Ali ich mich mit seiner kulturellen Prägung vor der Fitnesshölle bewahren konnte.

Maschinenbaustudenten hätten eine ganze außer-maschinelle Welt gegen sich gerichtet. Jeden Tag. Ich nickte betreten. So hatte ich das ganz noch nicht gesehen. Ich versprach den Menschen zukünftig beim vorbeigehen nicht mehr in die Augen zu schauen, noch sie anzusprechen, oder mit einem Lächeln zu verunsichern. Die Verwandlung zum perfekte Maschinenbaustudent war abgeschlossen. Ali war stolz.

Wir zwei Kommunisten zogen in den großen Hörsaal der Universität Hannover und verstanden beide nichts. Wir gingen; In den Elchkeller. Eine Studentenabsteige in der Fakultät für Sozialwissnschaften. Natürlich dort. Und natürlich auch nicht, ohne Flyerverteiler auf den 150 Metern. Doch dieses mal wa
r ich stark. Souverän antwortete ich dem besorgt auf mein T-Shirt blickenden Jobagentur-Menschen, dass ich grade in einer Vorlesungen für Maschinenbau gewesen war. Fast erleichterte zog er sein Berufsberatungsgespräch samt seiner Person zurück in den Hintergrund, wo er auf weitere Versager der Gesellschaft lauerte. Heute sollte ich nicht dazu zählen.

Mit gestärkten Selbstbewusstsein tranken wir uns äquivalent dazu in einen Rausch. Das passte ganz gut zu den Räumlichkeiten hier unten. Wenig Licht. Ein paar abgeranzte* Sofas. Wir fühlten
uns auf anhieb wohl. Dann forderte Ali ein paar Alteingesessene zum Tischkickern auf. Ein kultureller Genuss, dem ich jeden wärmstens ans Herz legen möchte. Die Kickerer sind herzensgute Menschen, immer im Elchkeller zu finden und immer gerne dazu bereit eine Partie zu spielen. Dabei erzäh-
len sie lustiges aus Nietzsche und Pausenbroten, mit
oder ohne Ziegenkäse. Die Welt hat unglaublich viele Tricks parat, um den runden Ball ins Loch zu kriegen. Wir lachten und tranken; Nicht mehr, als sie uns auch in der zweiten Runde gnadenlos in die Knie zwangen. Ich war am Boden zerstört.

KURZER BREAK

**

BREAK ENDE


Selbst internationale Fußballkickertourniere solle es hier geben. Wow. Mehr davon. Er verriet mir einen weiteren Kniff, um den Ball ins Tor zu donnern. Ich war beeindruckt. So hatte ich an meinem ersten Tag als Student doch noch was gelernt. Erleichtert nicht versagt zu haben und nicht dem harten harten Druck eines angehenden Bachelors zu unterliegen, machten wir uns auf den Weg von der Kneipe auf in Richtung REWE am Küchengarten. 6er Packs waren heute im Sonderangebot. Das haben nicht nur wir mitbekommen, auch Lindens bekannteste Prostituierte leckte sich genüsslich die Zunge, als sie neben uns das Angebot betrachtete. Richtig nahm ich sie erst wahr, als sie schwankend zu Ali glitt und ihm in seinen hoch gegelten Haaren herum wuschelte:
„Gute Junge bist du! Guter Junge!“
Der Student lächelte kurz und verschwand dann mit mir in Richtung Kasse. Doch die korpulente Bierkäuferin gab keine Ruhe und schrie uns hinterher: „Fick mich!“
Und noch irgendwelche Wortfetzen, die ich nicht verstand. Unheimlich wurde mir, als sie sich in der Schlange direkt hinter uns angeschlichen hatte: „Kurzer Fick?“, fragte sie unverbindlich. Ich guckte Ali an und Ali mich. Dann guckte er die Prostituierte an und sie ihn. Dann guckte ich beide an, wie sie sich anguckten. Auch die Kassieren guckte sie an; Und fragte nach 4,58 Euro. Ali fuchtelte wie eben noch beim Flyer-Menschen mit seiner Hand. Ha, dachte ich. Dem würde sie nicht lange stand halten. Doch wieder erwartend schrie die Prostituierte erneut los. Wir gingen. Schönen Tag noch, wünschte uns die genervte Kassieren. Ich legte ihr den Fitness-Gutschein für eine Massage aufs Kassenband.

Auf der Faustwiese vibrierte Linden. Sonnen, Ihme (oder Leine?), und ein ziemlich cooler Wind floss in eine Trommelsession mit vier alten Türken ein. Alle trugen lange graue Bärte. Sicher gläubig. Wir setzten uns mit unserem Bier dazu und waren auf anhieb Brüder. Ali zeigte mir eine Saz. Sie hatte nur drei Saiten und konnte Dritteltöne spielen. Die tiefen Bässe mischten in meinem Bauch alles kräftig durch. Als es vorbei war, war ich kein Maschinenbaustudent mehr. Ich war Türke. Die Sprache war noch schwer. Die alten brachten es mir Stück für Stück bei. Ich saugte das Wissen in mir auf, wie die vegetarischen Würstchen, mit denen sie mich fütterten. Multikulti war wirklich tot, aber mein türkisches Blut würde nie aufhören zu pulsieren; Im Takt von Ali, der lachend die nächste Trommelrunde anstieß. Biernippend schloss ich den Abend. Meine ersten vegetarischen Würstchen: Nicht gut.

Ein Gespräch, mit einem istanbulschen Philosophen. In Istanbul könne man noch mit allen Professoren saufen gehen. Hier natürlich nicht. Alles war konventioneller im Deutschen Lehrbetrieb.
Manchmal gingen sie in den UNI Wald und philosophierten dort. Oder tranken nur Tee. Schwarzen natürlich. Marx war im türkischen unzureichend übersetzt. Darum wolle Ibrahim hier schnell Deutsch lernen. Auch er mochte mein T-Shirt und guckte ehrlich, als er das sagte. Ich erzählte ihn von den Hemden aus dem Hörsaal und dem Studenten, der über drei Plätze verteilt Sachen verstreute, um Kommunikation zu verhindern, während Ali mit einem finnischen Mädchen aus einem benachbarten Sitzkreis rumknutschte. Weit hinten am Horizont kam die Prostituierte vom Küchengarten zu uns zurück und schrie lauter als zuvor, als sie ihren potentiellen Kunden rumknutschen sah. Doch dieses mal passte das Schreien gut zum Takt der Trommelmusik.Salam Alaikum.


* die OpenOffice (.org) Rechtschreibüberprüfung bietet mir das Wort 'abgearbeitete' Sofas an, was stilistisch sowie realistisch gesehen auch gut passt

** Bin grade nur halb da; Noch halb mitgerissen von meiner gestrigen Couch. Kant, Hegel, Marx - alles war möglich. Ein Ausflug zu den Sternen erwies sich beim Korrigieren als zu kurz gedacht:

„… die ekelig bunte Masse geht an diesem DesignerCafé entlang und fühlen sich kritisch und mündig - ich schreibe diese Zeilen mittendrin – nichts von beidem sind sie und werden es nie sein. Dieses Viertel ist eine große Lüge, die den Kapitalismus mit Latte-Macchiatos und Bionade auf ekelhafteste Weise überdeckt. Wenn noch nicht mal mehr die Sphäre der Kritik vor einer Ökonomisierung gesichert ist, dann kann das revolutionäre Subjekt doch nur noch im versifften Plattenbau rumlungern. Vielleicht sollte ich mich mal auf die Suche nach ihm machen, anstatt es immer nicht zu entdecken. Marx die Knalltüte hat seinen Arsch nie aus seinem Museum raus bekommen. Arsch. 1,90 Euro für Wasser hier! Rabatt gebe es erst, wenn ich mir einen Anti-Atomkraft Button auf meine Mütze stecke. Nö. Auf dich, Karl.“

Freitag, 22. April 2011

Couch #3 | Der Fisch


Stillschweigend dreht sich der Fisch an seiner Grillstange. Melancholische Blicke verfolgen sein weiteres Ableben. Stille. Trauer. Der Professor gegenüber erhebt zu erst das Wort; Ob noch jemand Kartoffelsalat wolle. Plötzlich ein überschwängliches Stimmengewirr aus Entschuldigungen und Vorwürfen: „Nein danke, ich hab schon“ und: „Nimm du dir doch noch den letzten Biss'n“.

Dann wieder das quietschen der rostigen Grillstange. Die wärme vom Grill fing an meine Kontaktlinsen zu trocknen. Ich schloss ruhig meine Augen, damit sie nicht rausfielen. Eine Flasche Herri unterbrach die Massenhypnose. Sie landete weich im Kartoffelsalat, der vor mir auf dem Tisch stand. Genüsslich leckte ich mir die Majospritzer von meinen Lippen und bereute kurz, dass ich das Angebot des Professors vorhin abgelehnt hatte. Unsere Gesellschaft war sich inzwischen über die Herkunft der Bierflasche im klaren.

Eine Studentengrillfeier war nur wenige Meter von uns entfernt im Gange. Zwei Balkone weiter, um genau zu sein. Die Flugbahn des Herris war qualifiziert berechnet und von einem grellen Lachen begleitet worden. Die Professoren waren froh, ihren Studenten in den letzten vier Jahren doch was beigebracht zu haben.

Die alten Herren sahen die Welt mit den Augen von Genießern. Auch die Kartoffelsalatreste in ihren Bärten ließen darauf schließen.
Eine Professorenkonferenz in Brasilien; Das Eis war gebrochen. Sie sprachen über die Vorzüge eines Beamtenstatus und über Hierarchien in der Universität. Ich überlegte mich zu betrinken. Später gab es Wodka. Ein kleines Gläschen hatte schon gereicht, um der Praxis meinen Überlegungen vorgreifen zu lassen. Das clevere Pärchen mit meiner heutigen Couch aus der Südstadt, hatte den Wodka aus Slowenien von ihren Eltern. Einmal im Jahr traf sich dort das ganze Dorf mit ihren Obstresten. Dann wurde alles in die Destilliermaschine geworfen und heraus kam das, was mich in den nächsten Stunden und am morgen danach im Griff hatte.

Mit lockerer Zunge sprach ich von hier und da. Die Professoren um mich stellten wenig Gegenfragen; Genossen eher die Worte um sie herum. Hatten vielleicht auch gar nichts mehr zu sagen, weil sie alles in ihrem Leben schon einmal gesagt hatten. Für sie war es wie bei einer Wiederholung von den Simpsons. Manche Details hatte man vorher nicht beachtet und konnte beim zweiten Mal das große Ganze besser verstehen; Eigentlich war aber alles klar.
Später schalteten wir von Simpsons zurück auf den Fisch. Der drehte sich immer noch wie am Anfang und war auch immer noch tot. Nichts Neues. Abschalten...

Das Zarte Richterchen

Ein zartes Richterchen war der große Herr. Sein Kopf ragte bis zur Decke seines kleinen Amtssitz, inmitten eines großen Gebäudes, was seit jeher den Namen Gericht trug. Nicht, dass das Richterchen nichts mit dem zu tun haben wollte, was sein Amtssitz umgab – nein, nein, nein! Das waren des Richterchens zu vielerlei Behauptungen!
Er öffnete sein Fensterchen und schaut sich die Blümchen beim wachsen an. Ah, dachte der Richter und atme dabei aus. Dann lächelte der Riese, duckte sich, und kam mit seinem Kopf zurück in den Amtssitz, um noch ein paar mehr Stempel zu benutzen.
Wenn das Richterchen einen besonders guten Tag hatte, nahm er sich all seine Stempel und stellte sich direkt neben den großen Berg von Akten, den er immer auf seinem Schreibtisch stehen hatte. Das Fräulein, seine Sekretärin, musste dann das Stempelkissen neu mit tiefblauer Tinte einweichen. Das Richterchen nahm Anlauf mit seinem rechten Arm, hob ihn hoch noch über den Kopf bis er die Decke seines richterlichen Amtssitz berührte, lachte drei mal laut auf und ließ dann den Arm des Gesetztes auf den einstweiligen Verfügungen walten.
Doch meistens war das Richterchen ein trauriges. Die Menschen wollten Stempel um Stempel. Niemand interessierte die Tiefen der Ozeane, aus denen der Oktopus das Tintenfässchen zusammen mit seinen Freunden füllte. Zwitschernde Vögel haben sie nie gesehen. Tinte um Tinte – jeden Tag ist es das selbe. Wie arm die armen armen Oktopüschen doch waren. Diese armen armen Oktopüschen.

Mittwoch, 20. April 2011

Couch # 2 | Der traurige Manager von 64 Leben

Dieses Gefühl, als hätte ich diesen Menschen grade verschlungen. Auf ein paar Resten kaue ich noch rum. Ein pappiger Belag auf meiner Zunge lässt sich wohl erst im Zug entfernen. Zähneputzen. Mich ein wenig zurück verwandeln. Darüber nachdenken, was da grade passiert ist:

Jan ist ein Hannoveraner auf Absprung. In wenigen Tagen wird sich der smarte Mann – eigentlich aus Freiburg - nach Frankfurt fügen müssen.
Mit dieser Formulierung wäre er wahrscheinlich nicht ganz einverstanden. Jan möchte nach Frankfurt. Ihn erwarte ein neuer Arbeitsbereich – Frankfurt. Der jetzige mache ihn nicht fertig. Er wolle einen Tapetenwechsel. Zwei Jahre lang die selben drei Fressbuden seien genug. Was er von Hannover sonst mitnehme? Den Maschsee natürlich. Das Rathaus. Klar. Die Südstadt gefalle ihm nicht. Die Miete ist okay. Linden – ja, davon hatte er auch mal gehört. Ein alternatives Stadtviertel. Ja, das ist schön. Ich überlege kurz, ob ich Linden verteidigen mag. Doch ich will lieber zu zuhören.

Die Fahrstuhlfahrt zu Tim war begleitet, von meinem Spiegelbild. Ich war immer noch versunken in die Ereignisse von vor ein paar Stunden. Ich lächelte; Auch immer noch, als ich die Wohnung betrat; Doch es verzerrte sich schnell, als mein Spiegelbild sich nun in einer dunkel-schwarzen Sonnenbrille spiegelte. Die Sonnenbrille gehörte zu Jan und Jan zu einer Zweizimmerwohnung, in die er mich reinbat. Zwei rote Primeln am Fenster. Ein Großes Bett in der Mitte. Daneben ein arbeitsbereiter Schreibtisch. Akten. Ein Vertrag den ich nicht verstand. Wände. Das Bad trägt ein Parfüm in der Halterung neben dem Waschbecken. Über die Herkunft wusste Jan nichts mehr. Ein Shampoo in der Dusche.

In der Grundschule war er mit dem Bus aus seinem Dorf gefahren, zusammen mit vielen Bauernkindern. Jedes Jahr durfte er ein Stück weiter nach vorne aufrücken. In der 10. Klasse saß er immer ganz vorne. In der Firma gebe er nichts mehr auf Managertitel.
„Erst bist du Assistent für ein Jahr. Dann überlegst du langsam, dass du mir Geld willst. Du gehst zum Chef und willst mehr Geld. Doch stattdessen gibt er dir einen Managertitel. Das sieht schick auf der Visitenkarte aus. Das Gehalt bleibt gleich. Die Arbeit steigt natürlich, um ein vielfaches.“ Es sei nicht darauf reingefallen. Er war ein Einzelkämpfer.

Gegen seine Schulkameraden hatte er eine Abneigung. Jan erzählt mir, dass er keine Möglichkeit hatte mit ihnen zu reden, weil er keinen Traktor hatte und auch nichts über Reben wusste. Lieber höre er zu. In seinem Bus fuhren ansonsten nur Kinder aus Bauernfamilien mit. Kinder mit Bauernhintergrund.

Vielleicht resultiert ja daraus seine Abneigung gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Ein Ausgestoßener. Ich kann da nichts zu sagen. Ich weiß noch nicht mal direkt, ob er tatsächlich ein Rassist ist. Klare Positionierungen hab ich später am Abend nur zum Thema Atomkraft von Jan gehört; Die müsse bleiben, damit die Wirtschaft weiter funktioniere. Sonst scheint es mir, dass Überzeugungen für ihn nur im Job notwendig sind. Effizienz. Durchsetzungsvermögen. Außerhalb dieser Sphäre wären Dogmen lästiges unwirtschaftliches Beiwerk. Wieso also seine Gedanken nach außen tragen, wenn sich daraus nichts ergibt.

Ein schmaler Flur; ausgeleuchtet mit dem, was der flüchtende Sommerabend noch an Strahlen hergab. Das Fenster war nach außen hin weit geöffnet und ließ den Wind mit den haselnussbraunen Schalosien im Takt der Jazzmusik pulsieren, die aus den Computerboxen im Wohnzimmer her ein Gefühl von angetrunkensein verbreitete. Sein Wohnzimmer verrät nichts von dem Kapitalisten, welches es verbirgt. Das Finanzmonster schlief tief in ihm. Ruhig. Angepasst. Doch bereit zum töten, als er kurz nach meiner Begrüßung mit einem Kollegen am Handy kommunizierte: „Abstoßen!“
Endlich nahm er die Sonnenbrille ab. Kurze Pause; Dann zog Jan die buschigen Brauen hoch und hatte dabei seine Augen auf das doppelte der vorherigen Größe anwachsen lassen.

„Das ist nicht länger tragbar. Das weißt du.“
Jan schüttelte den Kopf. Ein kurzes abwartendes Lächeln in meine Richtung sollte mir signalisieren, dass es länger dauern könnte. Dann wandte er den Blick wieder ab; Ins große Leere. Diese Leere würde ich am Abend noch öfters in ihm sehen.
„Kein gute Idee […] .“
Ein Lachen, unterbrochen von einem Atemzug, den er zwischen seinen Zähnen presste, als hätte er plötzlich starke Zahnschmerzen. Auflegen. Sich mir zuwenden.
„Ja, tut mir leid. Das musste geklärt werden.“

Jan hatte ein ganze Menge zu klären. Zwei große Einkaufszentren; Ein Mietshaus mit 64 Bewohnern in der Region. Zeit um sich selbst zu klären, blieb ihm nicht. Darum entschloss er seine Aufmerksamkeit mit mir und einer Wäschetrommel Boxershorts zu teilen, die er aufhing.

Er sei nicht der Typ, der aufmukke. Das überließ er den anderen. Die würden spätestens nach einem halben Jahr abspringen; Aus dem Englischem Großkonzern, der eine Deutsche Tochter Gesellschaft in Frankfurt am Main hatte. Die fünf Jahre, die er nun schon Teil des Finanzunternehmens war, hatten seinem Gesicht einen schwer beschreiblichen Ausdruck aufgestempelt. An seinen größtenteils kahlen Wänden war mehr abzulesen; Eine kleine markante Stelle, links neben seinem Bett, zeigte etwas Farbe; Das Bild einer Frau mit langem schwarzen Haar, zusammen mit ihm am Strand von Indonesien. Beide hielten ein Glas Wein und umarmten sich. Sie lächelten mir entgegen. Es sei seine schönste Erinnerung, sagte er mir kurz bevor wir zu Bett gingen. Damals war er ein Idealist.

Er liebte die neuen dunkelblauen Uniformen der Polizei. Die alte, die er mir beschrieb, hatte ich nicht mehr in Erinnerung. Doch er kannte jedes Details. Beim Aufnahmetest hatte er Probleme mit der Rechtschreibung.
„Um Menschen zu helfen, braucht es doch kein Kommasetzung, nicht?“ Sowieso sollten die Ausländer erst mal lernen richtig zu sprechen, bevor er als Deutscher über Kommas bescheid wissen müsse.

Ich fragte, warum er seinen Traumberuf aufgegeben hätte. Das hatte er nicht. Noch vor zwei Jahren wollte er sich ein letzte mal bewerben und alles hinter sich lassen. Nun sei er zu alt dafür. Über sein Scheitern, wollte der nicht reden. Es tat ihm jedes Mal weh, wenn er draußen auf der Marienstraße ein Polizeiauto höre. Oder wenn er im Fernsehen „Alarm für Kobra 11“ ansah. Das war vielleicht auch der Grund, warum er keine Poster, oder kleine Figürchen von der Polizei in seinem Wohnzimmer stehen hatte.

Die Frau auf dem Foto war ein letzter Traum – sonst sah er die Welt realistisch. Einen kleine Sphäre der Ideen, in der etwas sein könnte, weit draußen in Asien – bei einer Frau die, genau wie er, eine 50 Stundenwoche hatte. Nur erhielt der Manager von Bauobjekten ein vielfaches mehr, als die asiatische Tochter eines Nähfabrikbesitzers. Auch wenn ich mich darüber wunderte, dass sein Gehalt nur für eine Zweizimmerwohnung ausreichte. Jan sagte, dass er für sein Alter monatlich 300 Euro zurück legt. Für die Enkel; Damit die auch mal kommen. Geld sei alles.

Mir wurde ein bisschen schlecht, dass einer so junger Mensch schon an seine Enkel dachte. Ob ich das in 10 Jahren auch tun würde?
Sie hatten sich auf einer Sprachreise in New York – zwei Wochen – verliebt. Nach Deutschland mag sie nicht kommen. Er könnte nicht nach Indonesien ziehen. Der Job und so weiter. Er vermisse sie schon. Einmal wollte er zusammen mit ihr zu einer Steinigung gehen; Eine Angeklagte; Ehebruch. Doch seine Freundin wehrte sich. Der große Tsunami in Indonesien, der danach kam, hätte dafür gesorgt, dass Steinigungen nun nicht mehr stattfanden, da eine Islamische Mehrheit in diesem Land „weggespült“ wurde. Fast schien er ein wenig traurig um die verpasste Gelegenheit der Steinigung – dann wurde sein Gesichts wieder so Emotionslos, wie vor meiner Entdeckung des Farbflecks auf der kahlen Wand.

Gegen Abend fuhren wir zum Steintor und aßen einen Döner. Mein Magen knurrte erst, als wir schon da waren. Vorher war mir eher nach schlafen zu mute. Kurz hatte ich Angst, als wir auf dem Weg zu seinem Auto mit dem Fahrstuhl im Kellergeschoss gelandet waren. Klar – ich hatte vergessen, wie wichtig ihm der Stellplatz bei dem Umzug von Wuppertal nach Hannover gewesen war. Dafür zahle er auch gerne ein wenig mehr. Doch mir war nicht klar, dass dieser Stellplatz im Kellergeschoss seine würde und so war mir für einige Sekunden mulmig , als wir in dieser Tiefgarage alleine lang schlichen. Er hatte während unseres Gesprächs einen neun Gesichtsausdruck aufgelegt, den ich ebenfalls nicht beschreiben kann.

Der Döner war okay. Ohne Fleisch. Ein paar Oliven. Ein paar Wortfetzen zwischendurch. Er guckte mich jedes mal an, wenn ein Gespräch stattfand. Er hatte eine bestimmte Art zu reden, wenn er mich von etwas überzeugen wollte. Als ich mir einmal im Vodafon-Shop einen überteuerten Tarif aufschwatzen lassen habe, war es ganz ähnlich. Eine Frage wurde gestellt, die sogleich von ihm mit einem „nicht?“ beantwortet wurde und dann ging die Argumentation gleich weiter. Nach etwas haltloseren Behauptungen, verdeutlichte er diese wiederholt mit „plastischen Beispielen“. Ich konnte mir gut vorstellen, dass ihm diese Fähigkeit sehr nützlich bei der Arbeit war. Zum Beispiel als er den 64 Menschen seines „Verwaltungsobjekts“ per Post mitteilen musste, dass ein Zwangsauszug kurz bevor stehen würde. Jan ist einem ständigen Druck ausgesetzt. Nicht nur er fühlte das, sondern auch ich. Doch er wollte sich nach außen hin stark zeigen und das machte es schwer für mich, zu ihm durchzudringen.

„Gewerberaum bietet im Moment einfach einen größeren Gewinnspielraum. In England war das schon immer so; Konzerne verkaufen ihre Gebäude an uns und setzen somit eine größere Summe für sich frei, die sie dann in das investieren können, was sie am besten können – zum Beispiel Bayer. An die vermieten wir jetzt ihr altes Eigentum und die machen den Umsatz mit den Pillen. So macht jeder mit dem Geld, was er am besten kann.“

Was aus den 64 Mietern werden würde, war noch nicht klar. Es würde sich eine Lösung finden lassen. Doch nicht in seiner Abteilung.
„Soziales geht mich nichts an. Klar will jeder mal Supermann spielen“, sagte er und schlang den letzten Bissen seines Döners runter.
„Doch meine Chance Supermann zu sein, ist abgelaufen.“
Beiderseitiges nicken.
„Lass uns gehen. Ich bin müde.“
„Ich auch.“

Montag, 18. April 2011

Couch #1 | Das Projekt ist gescheitert!


Krise. Aus mehren Gründen kann ich meinem Experiment schon nach dem ersten Tag nicht mehr gerecht werden; Würde es um die 14 Leben gehen, die ich in den 14 Tagen beschreiben wollte, dann hätte ich das Experiment zahlenmäßig schon heute abschließen können.
Doch bevor es Abend wurde und ich überhaupt eine Idee von einer Studentenparty hatte, begrüßten mich Tim und seine Mitbewohnerinnen Sarah und Bibi . Lachend. Stürmisch.
Zuvor war ich mit einer Susanne von Hamburg zurück nach Hannover getrampt und hatte eine belanglose Diskussion über ihren Freund, der zufällig auch André hieß. Im Laufe der dreistündigen Fahrt entwickelte sich bei mir der leise Verdacht, dass sie die Beziehungskrise, in welcher sie grade steckt, auf mich übertrug. Sichtbar wurde das, als sie mir während einer Hasstirade gegen die beste Freundin von André ihren Coffee-2-Go über meine Hose kippte. Zum Glück war der nicht heiß, weil sie beim vielen beschweren nicht zum trinken gekommen war.

Ich überlegte auf der Straßenbahnfahrt von Garbsen – dann über den Kröpcke in die 9 nach Empelde und „am Schwarzen Bären aussteigen“ – alle möglichen Szenarien durch, die ich gleich erleben könnte („Ich finde den Eingang hier nicht“ „Da und da“ „Achso!“) Doch klar ist es dann anders, als im Gedankenkarussell*. Ich steig zitterig aus der Bahn aus und rein in meine erste von 14 Realitäten. Von Tim wusste ich vorher nichts, als eine Handynummer inklusive Adresse; Wobei sich später herausstellte, dass die Handynummer die falsche war und Tim somit nicht wusste, dass meine Tramperei eine Stunde mehr in Anspruch angenommen hatte, als gedacht.

Doch der leckeren Begrüßung nach, ging das klar. Der Kuchen war ein Traum. Ein richtiger Schokoladenkuchen. Einfach nur Schokolade mit einem allumfassenden Schokoladenguss. Ich wurde eins mit der Schokolade. Immer tiefer versank ich in diesem warmen, zartenTeig. Mit jedem Bissen, fühlte ich mich noch mehr angestachelt, einen weiteren zu nehmen. Und ich war erfreut, als ich später auf der Studentenparty, zu der es der Abendplanung nach gehen würde, seinen großen Bruder kennen lernen durfte.
Während erste Informationen ausgetauscht wurden, schwebt ich glücklich und zufrieden im 7. Himmel. Oh wunder der Natur! Schokoladeeenkuchen in seiner ganzen Pracht!**

Tim hat sich nach einer Beamtenlaufbahn für den zweiten Bildungsweg(e) entschieden. Und tatsächlich schilderte er mir beide Lebensabschnitte auch so, wie ich sie grade titulierte. Eine Bahn für Beamte, die sicher gebaut war und keine großen Abweichung zuließ – ähnlich vielleicht wie eine Achterbahn, aus der man ja auch nicht raus kommt (bloß ohne Loopings und große Steigungen (und schreien ist da auch nicht drin)) – stand seinem Freigeist entgegen, der nicht auf den Looping verzichten wollte. Als Beamter der Stadt Hannover war seine erste kollegiale Lektion sich auf einem Klo zu verstecken, sobald es auf der Baustelle nichts mehr zu arbeiten gab. Mit dreiundzwanzig Jahren überlegte Tim an einem der Tage, an denen er mit dem Steppenwolf*** auf dem Klo saß, ob es nicht angenehmere Orte geben könnte. Das Klo war ihm also nicht mehr groß genug und er tauschte es spontan gegen eine Abendgymnasium ein.

Während ich mich von Tims Leben fließen ließ merkte ich, wie der Kaffee auf meiner Hose anfängt nach zulassen. Für eine Stunde wollte ich mich hinlegen, um später noch alles in mir verschlingen zu können, was da um mich passieren würde. Tim zeigte mir also meine erste Couch. Ein Piratenschiff:



Leider gab es keinen entsprechenden Traum zum Bett. Aber nachdem wir sein Bücherregal besucht hatten****, entschieden wir uns, frei wie wir beide waren, uns öfters zu besuchen. Ich werde also weiter an meinem Piratentraum dran bleiben.
Tim zog sich zurück und ich war plötzlich alleine in diesem fremden Zimmer, genau wie jetzt am Morgen danach. Und all diese Tapeten und all diese Lämpchen, Kronkorken umschlungene Bettstangen, uralten mit Stickern verzierten Radios, der Spielautomat aus Holz, afrikanischen Gardinenvorhängen, dieser Geruch der mir ein Gefühl gab, wie gestern Abend noch in Hamburg, als ich am Hafen stand und den Ozean beim hin und her wippen beobachtete, die kleinen Figürchen, die von meinem Piratenbett runter hängen



, die wahrscheinlich was mit Buddhismus zu tun haben und ich wieder merke, dass es so viele Realitäten gibt, die ich nie durchdringen kann. Das, was sich über viele Jahre in diesem Zimmer um mich aufgebaut hatte – so viele Geschichten, die hier passiert waren – das alles kann ich mit Buchstaben nicht durchdringen. Egal wie viele ich noch investiere. Dieser Ort ist niemals ganz zu durchdringen. Und so saß ich gestern wie heute vor dem Laptop und überlegte, wo ich trotzdem einen Anfang setze und war echt froh, als mir das jemand abnahm:



Fetti (nur einer von vielen seiner Namen) hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Aus dem Tierheim mit Spritzen und Diätprogrammen zu Hause wieder aufgepäppelt (drei Kilo in einem Monat abgenommen! *****), lebt er nun sein kreatives Leben in der WG aus.



Den Blogeintrag von Fetti hat sich als weniger gehaltvoll erwiesen, als ich es mir erhofft hatte und ist mit einer diffusen Abfolge von „Q's“ und „!'s“ zusammen zu fassen. Er ließ auch sonst nichts über die Bedeutung durchdringen. Fetti hat es zumindest geschafft, mich von dem „Gigantischem“, was ich nicht fassen konnte, hin zum intensiven Schmusen zu verleiten. Wir beide zogen uns für eine erholsame Stunde ins Piratenbett zurück.

Ein wenig (dieses mal warmen) Kaffee und dem Rest meiner Club Mate Flasche trinkend, die ich zur Begrüßung mitgebracht hatte, zogen wir nach meinem Aufwachen zum Studentenwohnheim nach Ricklingen. Und wieder erkannte ich, dass ich meinem Experimenet nicht gerecht werden könnte. 23 Jahre lang wandere ich schon durch diese Stadt. Hannover. Angeblich langweilig. Nun gut; Lena. Das macht es schlimmer. Aber der geneigte Hannoveraner/Langweiler vergisst/verdrängt das. Ricklingen war mir gänzlich neu. Erschrocken über meine Umwissenheit torkelten wir durch die laue Sommernacht zum Wohnheim. ******
Die Party umfasste genau 15 Leben aus 7 verschiedenen Ländern. Erasmusstudentin Fatima berichtete mir mit ihren 25 Jahren über ihren Moderatorenjob, der sie nicht ausfüllte – ich gönnte mir mein zweites Bier und merkte auf der Couch, dass mir die Mischung aus den verschiedenen Kaffees und Herri nicht gut tat. Mein Blick schweifte über die Party Gesellschaft ab. Ein Kickertisch und acht Mitspieler. Jeder mit seiner eigenen Geheimsprache, die der andere nicht verstehen würde. Jeder mit einem langem Reiseweg der heute hier Pause hatte, um Punkt 24 Uhr lachend den Kickertisch für einige Minuten alleine stehen zu lassen. Der Doppelgeburtstag wird mit einem internationalem „Happy Birthday“ angestimmt. Einige Jungs ließen die Hosen runter, um den Geburtstagskindern ihren Arsch zu zeigen. Dieser Brauch war mir neu. Ben – eigentlich Benjamin, doch den Namen wollte er nicht mehr länger tragen, als er in der Grundschule damit aneckte *******– schenkte seiner Freundin, der Erasmusstudetin, zwei in einer Verpackung eingeschweißte Erotikwürfel. Auf einem der milchig-schimmernden Würfelseiten war jeweils ein Körperteil zu lesen und auf dem anderen entsprechenden Verben (schmusen, küssen, streicheln), die man auf das Objekt (Nippel, Po, Vagina) anwenden soll („Ich pack' aus!“ „Nein, erst später :P“ „Wieso? Ich will wissen, was auf der Rückseite von dem Würfel steht“ „Fisten!“ - ein Partylacher, der sich über die Lautstärke des Happy Birthdays noch hatte hinweg setzen können.

Ich fixiere meinen Blick wieder auf die großen braunen Augen Fatimas und lasse mir erzählen, dass sie eine Diplomatentochter sei. Ihr ganzes Leben war bis zum Erreichen ihres Abiturs durch Reisen bestimmt: „Vier Jahre Madrid waren mir zu viel – ich musste da raus“. Und auch das eine Jahr in Deutschland, in dem sie an der Fachhochschule Journalismus studiert, scheint ihr wieder langweilig. Ihr Vater wollte schon immer lieber, dass seine Tochter was bodenständiges macht. Medizin studieren. Doch Fatima langweilt sich schnell. Sie kann sich nie lange mit nur einer Sache beschäftigen. Jeden Tag was Neues. Springen – rückwärts- und „wenn's funktionieren würde, dann auch gegen alle Naturgesetze“. Beim erzählen klingt sie sehr souverän, als hätte Fatima diese Geschichte schon vielen Leuten erzählen müssen. Ich beneide sie um das erlebte, doch als ihr Freund Ben sie mitten in einem weiteren Erzählfluss vom Sofa abholt und zum Geburtstagstanz auffordert, spüre ich plötzlich selbst die Diplomatentochter in mir.

Ich bin zwar keinem Staat verpflichtet und meine Reise führt auch (noch) nicht über Kontinente, doch die Gemeinsamkeit sehe ich im Aufbau von Beziehungen. Ganz klar. Eine Verbindung von diesem Bildschirm zu dem warmen Ort von gestern Nacht aufzubauen, wo ich zum ersten Mal festgestellt habe, dass man nicht einfach in eine Fisch reinbeißen darf, wenn er nicht aus der Dose ist, so wie ich ihn bis gestern nur kannte. Auch, wenn ich nur ein paar Fischgräten aus dem großen fettigen Fisch zeigen kann und keine 14 Leben in 14 Tagen (und auch nicht darüber hinaus) in seinem ganze herbei schreiben werde, freue ich mich schon auf 19 Uhr; Wenn ich aus dieser Matrix am Schwarzen Bären, in die nächste zu Jan in der Südstadt einsteige und gucke, ob es da neuen Fisch oder Schokoladenkuchen gibt. Schmatz. Mehr!




* http://www.youtube.com/watch?v=gcNzRllscqU
** 789 Rezepte um diesen für mich besonderen Moment nach zu empfinden, habe ich hier entdeckt: http://www.chefkoch.de/rs/s0/schoko+kuchen/Rezepte.html
*** mit Herrmann Hesses „Steppenwolf“ (ungefähr Seite 56) http://www.dieterwunderlich.de/Hesse_steppenwolf.htm
**** Der Name der Rose (Umberto Eco) & Das Parfum (Patrick Süßkind)
***** http://www.amazon.de/Abnehmen-Aldi-Wochen-Di%C3%A4t-Programm/dp/3612209523 (mir ist schon beim Cover schlecht geworden)
******Jetzt wo ich darüber nachdenke, fällt mir ein, dass ich ja nicht Hannover mit meinen Worten einhüllen wollte. Sondern nur die 14 Tage mit ihren 14 Leben. Also – das Problem waren die 14 Leben, nicht die Erkenntnis über einen Stadtteil, von dem ich zuvor nur gerüchteweise gehört hatte und der trotzdem so langweilig war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wie die anderen Stadtteile halt.
******* http://www.youtube.com/watch?v=an9smMptFCM (Benjamin Blümchen <3)