Erst mal eine Playlist für diesen Blog erstellen. Ist ja schon wieder ein paar Tage her, seit das passiert ist. Die Gefühle ein wenig raus kitzeln. Egotronic macht den Anfang. Ich kann's nicht sagen. Passt gut. Ich kann's nicht sagen.
Ich muss es doch irgendwie in Worten zusammen kleben können. Klar ist es immer pathetisch. Ich weiß. Sie las mir dieses Gedicht vor. Da lag ich schon auf ihrem Bett und mein Herz klopfte ihr Reimschema ab. Uns verband eine traurige Kindheit. Beim erzählen, fand ich mich selbst dramatisch.
Schon wieder nicht genug. Immer noch platt. Bekomm es nicht reingepresst, in diese Buchstaben. Außerdem ist mein „E“ nur teilweise funktionsfähig. Gestern noch mit Teppichkleber neu fixiert.
Ich mach noch mal den Song an. Ich kann's nicht sagen. Alles ohne E. s gibt in mng Wort di ich ohn „“ nicht schribn könnt.Der Bass geht direkt in mein Ohr. Am Tisch mir gegenüber sitzt ein Araber und glotzt; Wippt seinen Kopf im Takt des Beats. Wenigstens er scheint zu verstehen.
„Du willst auch die Revolution?“ Klingt leicht spanisch. Der Araber lächelt tückisch.Ich lächle zurück und kraule schmunzelnd meinen revolutionären Bart.
Heute bin ich in dieses Café mit den roten Wänden. Sonst war ich immer in dem mit Bionade-Menschen. Grüne einsame Mütter, die mit ihren Kinderwägen einen Kilometerstau vor der Kasse erzeugen. Die Mütter lebten dort für ihre Kinder. Nutzten es auch als Waffe. Für Aufmerksamkeit Und die bekamen sie. Immer:
„ACHTUNG! HIER KOMMT DIE MUDDI MIT IHREM KLOPPS! DEN KÖNIG DEN ICH GEBAR HAT DAS RECHT ALLE FENSTERSCHEIBEN DIESER STRAßE MIT EIS VOLLZUSCHMIERN! WEHE IHR SAGT WAS DAGEGEN! KINDERHASSER!“*
Am See erzählt mir Luna von ihrer Liebe; Von ihren einjährigen Aufenthalt im Asylheim und von dem, was sein soll. Intensive Blicke. Eine weitere aggressive Mutter mit ihren Gänsekinder blockierte uns den Weg. Wild fauchte sie los. Wir lachten. Ich war angespannt. Nervös. Wie Britney vor ihr ihrem ersten großen Auftritt – vielleicht. Auch wenn sie es jetzt schon so oft gemacht hat. So gar vor Kameras. Immer noch war ich nervös. Machte doofe alberne Sprüche. Hörte wieder auf damit, als die Gänsemutter uns mit wildem Flügelschlag passieren ließ.
Als junges Mädchen kam sie aus Syrien. Am selben Tag, an dem wir uns trafen, brach die Revolution aus. Endlich. Aber sie forderten nur demokratische Evolutionen. Das sei zu wenig. Als ich am nächsten morgen über die Schulter von Lunas Mutter auf den PC Bildschirm guckt, vor dem sie die halb Nacht nach Neuigkeiten gewacht hatte, schämte ich mich. Hatte sie uns gehört?
Lunas Mutter war nach Deutschland gekommen, um ihrer Tochter Sicherheit zu geben. Ein Abitur. Sie selbst hatte Architektur studiert. In Deutschland war sie aber nicht ausreichend mit den Gesetzten vertraut und fand so keine Anstellung mehr. Nächster Song. Selbes Gefühl. Schmerz. Nein. Doch nicht. Klingt aber an diesem Punkt ganz gut. Ich blende zurück zu dem Punkt, wo wir uns verabschiedeten. Am historischen Museum. Hinten war noch das Wasser der Leine zu hören. Plätscher, plätscher. Strahl, strahl. Sonne, Sonne.
„Ich würd' dich gern küssen“
Sie gab ihn mir. Einen kurzen.
„Ich kann das nicht.“ Luna wurde hibbelig, als sie ihre Augen wieder öffnete. Sie warf ihr langes schwarzes Haar in ihren Nacken. Spielte damit. Ihr tiefschwarzen Augen blickten mich nicht an; So wie gestern.
Ganz fest drückte sie meinen Körper an ihren. Sie hielt mich fest. Wir schwiegen. Nächster Song: „Ich will nur“ Hm. Jetzt wird es kitschig. Na gut, ich lass mich noch ein wenig weiter drauf ein und komme zum Anfang. Das Textgewirr zeigt die Momente, die grade wild in mir her fliegen. Ordnung? Wozu. Es ist wie es ist. Ist es wie es ist? Ist das in Ordnung?
Wir fanden uns im Ballhofcafé – seit September geöffnet. Die Besitzerin erzählte mir fröhlich, dass sie nun eine Förderung von über 10.000 Euro bekämen**, mit denen sie die Bands bezahlen könnte. Viel Indiebands. Das Café gefällt mir; Doch ist es noch nicht gut besucht. Hin gehen!
Ich würde noch öfters hier her kommen. Club Mate für 1,50 aus einer Flasche, die ich nicht kannte. Seit gut einem Jahr war ich nun schon abhängig von diesem koffeinhaltigen Getränk. Zum Abi hin, hatte ich stattdessen eine ganze Kanne Kaffee getrunken. Der Café hier im Notre Dame kostete 2,30. Karamellgebäck inklusive.
Unbezahlbar hingegen die Erleichterung, die ich bei unserer Begrüßung empfand.
Den Tag über hatte ich nach einer Couch auf Hannovers Straße gesucht. Überall. Doch es war Feiertag und nur Rentner mit ihren Enkeln auf den Straßen, die eher weglaufen wollten, als mir ihre Couch anzubieten – so war zumindest mein Gefühl. Ich verstand das. Seit Beginn meiner Couchsurfer-Tour hatte ich meinen Bart wild wachsen lassen. Zu den vielen Stoppeln hatten sich ein paar Pflänzchen gesellt. Ein Bäumchen. Hier und da eine Urwaldkolonie. Ein Einwohner ging mit seinem Esel auf Wanderschaft, um am nächsten Morgen auf meinem Kinn aufzuwachen. Noch einmal kratze ich mich im roten Café mit dem Araber am Bart und bestellte eine Fanta. 1,50. Warum kostete das Wasser 70 Cent mehr? Ist es heilig? Revolutionswasser? Ich fragte, doch die Bedienstete guckt mich nur komisch an.
Eine Gruppe Raver hatte ich noch nach einer Couch gefragt. Hannovers Raver treffen sich jeden Freitag am Opernplatz. Mit von der Party: ein gammliger Kassettenrekorder und – ein Kinderwagen! Das Baby schlief ruhig. Ich bin echt keine Lattemachiato-Mutter, aber ein Baby inmitten einer offensichtlichen Drogenhochburg fand ich nicht richtig. Das letzte Rentnerehepärchen was ich erfolgreich verschreckt hatte, blickte mir noch hinterher, als ich mich entschied den Ravern meine Meinung zu sagen.
„[...]Ist doch mein Ding, oder ist das etwa dein Kind?“, fragte die Mutter wütend.
„Ich hoffe nicht.“
Die Mutter spuckte mir ins Gesicht.
„Viel Spaß damit beim Vaterschaftstest“
Mütter in Hannover haben eine satanische Seite, wenn es um ihre Brut geht. Frustriert räumte ich den Opernplatz. Die Rentner von eben warfen mir mitleidige Blicke hinterher. Bräuchte ich nicht den Speichel des Babys, für einen Vaterschaftstest? Oder sah ich schon alt genug aus, ihr Vater sein zu können? Egal von wem ich der Vater sein sollte, Geld genug hatte ich sowieso nur für die Fanta, die mir jetzt beim bestellen auf einmal erstaunlich günstig erscheint.
Eine Couch auf Hannovers Straßen zu finden, gestaltete sich also als unmöglich. Spontan entschloss ich mich Luna an ihrem Arbeitsplatz zu finden. Darum begrüßte sie mich auch herzlich in ihrem Ballhofcafé und bot mir ein Stück Schokoladenkuchen an. Ich schwebte. In diesem siebten Himmel, von dem so viel geredet wird. Schokoladenkuchen. Sie war es. Mit was wenn nicht mit Schokoladenkuchen hätte sich die perfekte Frau für den sechsten Tag zu erkennen geben können. Ich umarmte sie und fragte sie nach einem Übernachtungsplatz. Klar. Kein Problem.
Der Sonnenuntergang glitt beim Verdauen meines Schokoladenkuchens durch Kleefeld nur beiläufig an mir vorbei. Hier und da waren Seen gemalt. Geheime Wegen nach irgendwo. Leute die im warmen Gras saßen und ihre Zehen lackierten. Holzkohle glühte langsam runter. In weniger als zwei Stunden hatten wir uns unser Leben anvertraut.
Dieses Gedicht dann später auf ihrem Bett, was sie immer bei sich trug. Wir beide lagen neben einander. Sie las es vor. Wie über einen dieser vielen geheimen Wege schien es mir in dieser Nacht. Kaum einzusehen, wo er hinführte. Auf halben weg noch mal zurück gehen, um dann den anderen dunklereren Pfad zu gehen. Ein wenig Morgentau in meinem Kopf.
Die Playlist spuckt die nächste Ballade raus.Trällert von Freiheit und denkt, es sei was besonderes. Der Song-Mensch würde sie nicht weg geben wollen; Die Freiheit. Die Wahrheit ist, dass das gar nicht möglich ist. Das Gefühl, was zwei Menschen verbindet, beweist, das Freiheit immer da sein kann. Liebe ist eine besondere Sphäre. In ihr scheinen die Gesetzt unter denen wir leiden und Freude haben, ausgeschaltet. Das gestern war keine Lieb. Aber es war so was, was es hätte werden können. So ein Gefühl von Freiheit.
Doch dann vor diesem Museum, in Hannover. Kein Erich Fromm hätte das rationalisieren können. Kein Adorno könnte schwerere Gefühle auslösen. Für sie war es eine Nacht. Klar. Natürlich. Für mich doch auch nur. Klar. Wir sehen uns bestimmt wieder. Das war halt das sechste Leben auf meiner Tour. Mehr nicht. Es kommen ja noch acht andere. Bis dann.
Playliste ist zu Ende. Ich geh mit meinem Gepäck ein wenig verstört durch die Mittagssonne der Limmerstraße. Kaue an meinem Brötchen rum; Brösel dran rum. Gib einer Taubenfrau, die grade von ihrem Lover belästigt wird ein paar Krümel ab. Hoffe, dass es mal eine sympathische Mutter wird. Gucke so frei, wie es in dem Lied vorhin beschrieben wurde. Genau so will ich jetzt gucken. Doch das funktioniert natürlich nicht. Ich werde ein Teil der Playlist. Nach belieben abspielbar. Am nächsten Abend zum Beispiel. Plötzlich war ich wieder bei ihr. Sie hat nur auf play gedrückt. Lässt mich abspielen. Und ich finde das trotzdem gut.
* Worte einer Angestellten. Ich distanziere mich natürlich nicht.
** Aussage wird zurück gezogen!
nstrengung und traf mich direkt. Als ich später im Bus zu Marens WG in der List saß, war ich wirklich froh, dass ich nicht angefangen hatte zu flennen. Jesus hat eine Zeitmaschine. Und wie ich später auf Marens Klo las: „Magier sind Menschen, die Rückwerts in der Zeit reisen.“
er Tag als Student. Hornbrille zurecht rückend und meine gewienerte Ledertasche an mich pressend steh ich vor dem Spiegel im Bad meines heutigen Hannoveraners. Ich hoffe in der UNI nicht aufzufallen; Mich ja anzupassen; Nichts Falsches in den wohlgeformten Köpfen der jungen Studenten zu vermischen. Klar, dass ich bei der Wahl meiner Oberkleidung das in nur zwei Farben gegliederte T-Shirt vorzog - schwarz, weiß - nichts ahnend, dass Hammer und Sichel unter dem eher unpolitischen Studentenmob so verpönt war.
Mein T-Shirt gefiel ihm auf anhieb. Es wäre gelogen, wenn ich hier nicht schreiben würde, dass ich den netten Menschen aus dem Land der dreisten Händler nicht schon vorher mal bei irgendwelchen Veranstaltungen getro
Mit gestärkten Selbstbewusstsein tranken wir uns äquivalent dazu in einen Rausch. Das passte ganz gut zu den Räumlichkeiten hier unten. Wenig Licht. Ein paar abgeranzte* Sofas. Wir fühlten 






