Freitag, 22. April 2011

Das Zarte Richterchen

Ein zartes Richterchen war der große Herr. Sein Kopf ragte bis zur Decke seines kleinen Amtssitz, inmitten eines großen Gebäudes, was seit jeher den Namen Gericht trug. Nicht, dass das Richterchen nichts mit dem zu tun haben wollte, was sein Amtssitz umgab – nein, nein, nein! Das waren des Richterchens zu vielerlei Behauptungen!
Er öffnete sein Fensterchen und schaut sich die Blümchen beim wachsen an. Ah, dachte der Richter und atme dabei aus. Dann lächelte der Riese, duckte sich, und kam mit seinem Kopf zurück in den Amtssitz, um noch ein paar mehr Stempel zu benutzen.
Wenn das Richterchen einen besonders guten Tag hatte, nahm er sich all seine Stempel und stellte sich direkt neben den großen Berg von Akten, den er immer auf seinem Schreibtisch stehen hatte. Das Fräulein, seine Sekretärin, musste dann das Stempelkissen neu mit tiefblauer Tinte einweichen. Das Richterchen nahm Anlauf mit seinem rechten Arm, hob ihn hoch noch über den Kopf bis er die Decke seines richterlichen Amtssitz berührte, lachte drei mal laut auf und ließ dann den Arm des Gesetztes auf den einstweiligen Verfügungen walten.
Doch meistens war das Richterchen ein trauriges. Die Menschen wollten Stempel um Stempel. Niemand interessierte die Tiefen der Ozeane, aus denen der Oktopus das Tintenfässchen zusammen mit seinen Freunden füllte. Zwitschernde Vögel haben sie nie gesehen. Tinte um Tinte – jeden Tag ist es das selbe. Wie arm die armen armen Oktopüschen doch waren. Diese armen armen Oktopüschen.

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